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Lastmoment und Ausladung: Warum ein 220-t-Kran bei 20 m noch 28 t hebt
Von Tobias Schott · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026
Das Lastmoment ist Last mal Abstand – und es entscheidet, ob ein Kran eine Last sicher hebt, nicht die Zahl auf seinem Typenschild.
Das Lastmoment begegnet Ihnen in jedem Liftplan, auch wenn das Wort dort selten steht. Es versteckt sich hinter Ausladung, Traglasttabelle und Ballast. Wer es versteht, weiß, warum ein großer Kran für eine scheinbar kleine Last bestellt wird.
Ein Beispiel aus unserer Arbeit in Frankfurt: Ein Autokran der 220-Tonnen-Klasse hatte bei rund 20 Metern Ausladung noch etwa 28 Tonnen Traglast. Die Klassenangabe beschreibt also nicht, was der Kran an jeder Stelle hebt. Hier erklären wir, warum das so ist und wie Sie die Zahlen lesen.
Was ist das Lastmoment?
Das Lastmoment ist das Produkt aus dem Gewicht der Last und ihrem waagerechten Abstand zur Drehachse oder Kippkante des Krans. Es beschreibt, wie stark eine Last den Kran nach vorn zu kippen versucht. Englisch heißt es load moment.
Der Abstand heißt Ausladung, englisch radius oder working radius. Gemessen wird er waagerecht von der Drehachse des Oberwagens bis zur Mitte des Hakens. Je weiter die Last draußen hängt, desto größer wird das Lastmoment – auch wenn die Last gleich schwer bleibt.
Steckbrief
- Formel: Lastmoment = Last × Ausladung, nach dem Hebelgesetz der Mechanik.
- Einheit: Tonnenmeter (tm) in der Baustellensprache, Kilonewtonmeter (kNm) in der Statik; 1 tm entspricht rund 10 kNm.
- Bezugspunkt: Die Ausladung zählt ab der Drehachse; für die Standsicherheit zählt der Abstand zur Kippkante, der Linie durch die lastseitigen Stützen.
- Gegenspieler: Das Standmoment aus Eigengewicht, Ballast und Abstützbasis hält den Kran stehen.
- Wo es vorkommt: Bei allen Auslegerkranen – Autokran, Raupenkran, Spinnenkran, Turmdrehkran, Ladekran.
- Sicherheitseinrichtung: Der Lastmomentbegrenzer überwacht das Moment und stoppt lastmomentvergrößernde Bewegungen.
- Wird oft verwechselt mit: der Tragfähigkeit oder Kranklasse, die nur bei kleiner Ausladung gilt.
Wie berechnet sich das Lastmoment?
Das Lastmoment berechnet sich aus Last mal Ausladung – genau wie beim Hebel, an dem ein kleines Gewicht weit draußen ein großes Gewicht nah am Drehpunkt aufwiegt. Der Kran ist so ein Hebel. Auf der einen Seite hängt die Last, auf der anderen wirken Oberwagen und Ballast.
Ein fiktives Beispiel mit runden Zahlen, keine Krandaten:
- 10 Tonnen in 5 Metern Ausladung ergeben 50 Tonnenmeter.
- Dieselben 10 Tonnen in 10 Metern Ausladung ergeben 100 Tonnenmeter – das Doppelte.
- Für 50 Tonnenmeter bei 10 Metern dürfen nur noch 5 Tonnen am Haken hängen.
Die Ausladung wirkt also genauso stark wie das Gewicht. In der Praxis fällt die Traglast sogar schneller als in dieser Rechnung. Denn auch der Ausleger selbst hat Gewicht, und sein eigenes Moment wächst mit, wenn er sich neigt oder länger wird.
Bei kleiner Ausladung begrenzt meist die Festigkeit von Ausleger, Seil und Hubwerk die Traglast. Bei großer Ausladung begrenzt sie die Standsicherheit. Beides steckt in der Traglasttabelle.
Ausladung, Ballast, Abstützbasis: Welche Größen die Traglast bestimmen
Die Traglast eines Krans hängt von seiner Rüstung ab – also davon, wie Ausleger, Ballast und Abstützung für genau diesen Hub eingestellt sind. Diese Größen stehen im Liftplan, auch Hubplan genannt:
| Größe | Was sie bedeutet | Was sie für die Planung heißt |
|---|---|---|
| Ausladung | Waagerechter Abstand von der Drehachse bis zur Hakenmitte. | Der Absetzpunkt bestimmt den Kran, nicht das Gewicht allein. |
| Hakenhöhe | Höhe des Hakens über dem Boden. | Hohe Gebäude und lange Gehänge brauchen längere Ausleger. |
| Auslegerlänge | Ausgefahrene Länge des Hauptauslegers, eventuell mit Spitze. | Mehr Länge bringt Reichweite, kostet aber Traglast. |
| Ballast | Gegengewicht am Oberwagen, auf der Baustelle aufgelegt. | Mehr Ballast bedeutet mehr Standmoment, aber auch mehr Transporte und Rüstzeit. |
| Abstützbasis | Abstand der Stützen, voll oder teilweise ausgefahren. | Eine schmale Basis rückt die Kippkante näher, die Traglast sinkt. |
| Schwenkbereich | Richtung der Last zum Unterwagen, etwa über Heck oder Seite. | Manche Tabellen gelten nur für bestimmte Bereiche. |
Wie groß das werden kann, zeigt unser Hub in Raunheim: Der Kran arbeitete dort mit 52 Metern Hauptausleger und bis zu 44 Metern Ausladung. Die Tanks wogen leer je rund 16 Tonnen. Nicht das Gewicht machte den Hub groß, sondern der Weg über die Grube.
Wie liest man eine Traglasttabelle?
Eine Traglasttabelle liest man über die Ausladung in der Zeile und die Auslegerlänge in der Spalte – im Schnittpunkt steht die zulässige Last für genau diese Rüstung. Für jede Kombination aus Ballast und Abstützbasis gibt es eine eigene Tabelle. Wer die falsche Tabelle aufschlägt, liest einen falschen Wert.
So gehen Sie im Prinzip vor:
- Rüstzustand festlegen: Ballast, Abstützbasis, Schwenkbereich.
- Die passende Tabelle wählen.
- Die Zeile mit der nächstgrößeren Ausladung suchen, nicht die nächstkleinere.
- In der Spalte der Auslegerlänge die zulässige Last ablesen.
- Diesen Wert mit der Hakenlast vergleichen.
Die Hakenlast ist mehr als das Gewicht der Last. Dazu zählen Anschlagmittel, Schäkel und eine Traverse, je nach Tabelle auch die Hakenflasche. In Raunheim hing jeder Tank an einem Gehänge aus Rundschlingen und Schäkeln, so hoch wie ein kleines Haus. Auch dieses Gewicht und diese Höhe gehören in die Rechnung.
Lastmomentbegrenzer, Wind und Pendeln: Was den Kran schützt
Der Lastmomentbegrenzer schützt den Kran vor Überlast, indem er das tatsächliche Lastmoment laufend mit dem zulässigen Wert vergleicht und gefährliche Bewegungen abschaltet. Abgekürzt heißt er LMB. Er misst Last, Auslegerwinkel und Auslegerlänge und kennt den eingestellten Rüstzustand. Für Fahrzeugkrane schreibt die DIN EN 13000 eine solche Begrenzung vor.
Der LMB weiß aber nur, was man ihm sagt. Ist der Ballast falsch eingegeben, rechnet er mit falschen Werten. Folgendes sieht er nicht oder zu spät:
- Wind. Er drückt auf Last und Ausleger und schiebt die Last nach außen. Große, leichte Flächen wie Container oder Paneele sind besonders empfindlich.
- Pendeln. Eine schwingende Last vergrößert die Ausladung für einen Moment und erzeugt zusätzliche Kräfte. Deshalb führen wir Lasten mit Taglines, also Führungsleinen.
- Durchbiegung. Ein Teleskopausleger biegt sich unter Last etwas durch. Die Ausladung wird beim Anheben größer als im Leerzustand.
- Schrägzug. Eine Last, die schräg angezogen wird, belastet den Ausleger seitlich – dafür ist er nicht gebaut.
- Tandemhub. Hängt eine Last an zwei Kranen, sieht jeder Begrenzer nur seinen Anteil. Die Lastverteilung muss vorher im Liftplan stehen.
Krane unterliegen der DGUV Vorschrift 52 mit Prüfung vor Inbetriebnahme und wiederkehrender Prüfung. Welche Pflichten daraus für Sie als Auftraggeber folgen, klären Sie mit Ihrem Prüfer – wir leisten keine Rechtsberatung.
Worauf wir achten
Das Lastmoment rechnet der Kran, aber die Annahmen dafür kommen aus der Planung. Das prüfen wir vor jedem Hub:
- Die echte Ausladung. Wir messen den Absetzpunkt vor Ort und nicht nur im Plan. Ein Meter mehr kann eine andere Tabellenzeile bedeuten.
- Die volle Hakenlast. Gewicht laut Hersteller oder Wiegeschein, dazu Gehänge, Traverse und Anbauteile. Bei unklarem Schwerpunkt rechnen wir die Hängegeometrie nach.
- Den Kranstellplatz. Das Lastmoment landet über die Stützen im Boden. Schächte, Kanäle und Kellerdecken nehmen solche Punktlasten oft nicht auf.
- Den Rüstzustand. Ballast, Abstützbasis und Ausleger müssen so stehen, wie der Liftplan es vorsieht – und so im Begrenzer eingestellt sein.
- Wind und Wetter. Wir prüfen die Grenzwerte aus der Betriebsanleitung und schieben einen Hub lieber, als ihn bei Böen zu fahren.
- Eine Stimme. Den Kran fährt der Kranführer des Kranunternehmens. Wir planen und leiten als verantwortliche Person für Hebearbeiten, schlagen an und weisen ein.
Wo wir das einsetzen
Lastmoment und Ausladung rechnen wir bei jedem Kranhub mit, ob im Rechenzentrum oder in der Halle. Für die Einbringung von Generatoren und Loadbanks in Frankfurt wurden Ballastierung, Abstützung und Rüstzustand exakt nach Liftplan hergestellt: 71 Tonnen Ballast, 30 Meter Ausleger, rund 20 Meter Ausladung. Beim Setzen von fünf Dieseltanks in Raunheim waren wir die verantwortliche Person für Hebearbeiten, mitten im Wohngebiet und mit wenig Platz für den Kran. Was wir beim Heben und Einbringen schwerer Anlagen leisten, steht auf unserer Seite Lift and Shift.
Mehr Wissenswertes
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die Geräte, für die das Lastmoment gerechnet wird.
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auch der kleine Kran hat Ausladung, Stützen und eine Traglasttabelle.
Ratgeber
der Ratgeber zur Kranwahl.
Sie haben Fragen, wie das auf Ihrer Baustelle läuft?
Sie haben Fragen, wie ein Hub mit großer Ausladung auf Ihrer Baustelle läuft – vom Kranstellplatz bis zur Hakenlast? Wir planen den Hub mit Ihnen und dem Kranunternehmen. Am schnellsten geht es über einen Rückruftermin – schildern Sie uns kurz Last, Gebäude und Termin.
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Über den Autor
Tobias Schott
Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung
Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Wissenswertes-Beiträge erklären das Gerät und die Technik, mit der sein Team täglich arbeitet: Was auf unseren Baustellen zählt, steht drin – was nur im Prospekt steht, nicht.