- Wissenswertes – Maschine und Gerät
Autokran, Raupenkran, Mobilkran: Welcher Kran was kann – und was nicht
Von Tobias Schott · Lesezeit ca. 8 Minuten · Stand: Oktober 2026
Ein Autokran ist der Kran, der auf eigener Achse zur Baustelle fährt, sich abstützt und nach dem Hub wieder abfährt – und seine Grenze ist fast nie die Tragfähigkeit, sondern die Ausladung und der Boden, auf dem er steht.
Der Autokran begegnet Ihnen in jeder Ausschreibung, in der etwas Schweres über eine Fassade, in einen Schacht oder auf ein Dach muss. Daneben stehen Begriffe wie Mobilkran, Raupenkran und Ladekran, die oft durcheinandergehen. Wer sie sauber trennt, versteht, warum ein Kranunternehmen für eine 16-Tonnen-Last eine Maschine mit vielen hundert Tonnen Tragfähigkeit schickt.
Wir fahren keinen Kran. Wir planen und leiten den Hub, schlagen an und weisen ein. Deshalb müssen wir wissen, was jede Bauart kann und wo sie aufhört.
Was ist ein Autokran?
Ein Autokran ist ein Mobilkran mit Teleskopausleger auf einem straßentauglichen Fahrgestell, der seine Last über ausgefahrene Abstützungen in den Boden ableitet. Im englischen Sprachraum heißt er je nach Bauart „All-Terrain Crane“ (geländegängiger Autokran) oder „Truck Crane“ (Kranwagen auf Lkw-Fahrgestell). Mobilkran ist der Oberbegriff für alle Krane, die ihren Standort aus eigener Kraft wechseln – also auch Raupenkran und Minikran. Im Alltag meint „Mobilkran“ trotzdem meist den Autokran.
Steckbrief
- Bauart: Teleskopausleger auf mehrachsigem Fahrgestell, Oberwagen drehbar, Abstützung über vier ausfahrbare Stützen.
- Typische Tragfähigkeit: von einigen Dutzend Tonnen bis weit über tausend Tonnen Nennlast, wobei die Nennlast nur bei kleinster Ausladung gilt.
- Antrieb: Dieselmotor für Fahrt und Kranbetrieb, bei großen Maschinen getrennte Motoren für Unter- und Oberwagen.
- Einsatzfeld: Einbringung über Fassaden und Schächte, Montage von Anlagen auf Dächern, Setzen von Tanks und Containern, Kranbau in großer Höhe.
- Voraussetzungen: tragfähige Kranstellfläche, freie Zufahrt, geprüfte Abstützung mit Lastverteilplatten, Abstand zu Freileitungen, Windgrenze eingehalten.
- Bedienerqualifikation: Kranführer des Kranunternehmens, ausgebildet und schriftlich beauftragt nach der Kranvorschrift (DGUV Vorschrift 52); die Hebearbeit verantwortet eine benannte Person.
Mobilkran, Autokran, Raupenkran, Ladekran: Wer gehört wozu?
Mobilkran ist der Oberbegriff, Autokran, Raupenkran, Ladekran und Minikran sind die Bauarten darunter – und jede hat ein Feld, in dem sie den anderen überlegen ist. Der Autokran ist der Allrounder: schnell am Ort, schnell gerüstet, für die meisten Industriehübe ausreichend. Der Raupenkran trägt mehr, steht ohne Abstützung auf seinem Raupenfahrwerk und darf mit Last fahren, braucht aber Tieflader, Montagefläche und Tage zum Rüsten. Sein Gittermastausleger ist leichter als ein Teleskop und deshalb bei großen Höhen und Ausladungen im Vorteil.
Der Ladekran sitzt hinter dem Fahrerhaus eines Lkw und lädt, was der Lkw selbst bringt; seine Grenze ist das kleine Lastmoment, angegeben in Metertonnen. Der Minikran, auch Spinnenkran, ist die einzige Bauart, die durch eine Tür ins Gebäude fährt.
| Bauart | Einsatzfeld | Stärke | Grenze | Vorbereitung |
|---|---|---|---|---|
| Autokran | Außenhübe über Fassade, Schacht und Dach; Montage in großer Höhe. | Fährt selbst an, rüstet in Stunden, große Spanne an Tragfähigkeiten. | Braucht ebene, tragfähige Stellfläche und Platz für die Abstützung. | Kranstellfläche, Zufahrt, Bodennachweis, Freileitungen klären. |
| Raupenkran | Schwerstlasten, lange Standzeiten, Hübe mit Lastfahrt. | Höchste Tragfähigkeit, fährt mit Last, kommt ohne Abstützung aus. | Antransport in Teilen, Montagefläche, tagelanges Rüsten. | Tieflader-Logistik, Montagefläche, Fahrweg für das Raupenfahrwerk. |
| Ladekran | Be- und Entladen am Lkw, kleine Montagehübe direkt vom Fahrzeug. | Transport und Hub in einem Fahrzeug, kein zweites Gerät. | Kleines Lastmoment, geringe Hubhöhe, wenig Ausladung. | Standplatz für den Lkw, Abstützung, Lastgewicht kennen. |
| Minikran | Innenräume, Keller, Hallen ohne Kranbahn. | Passt durch Normaltüren, Elektrobetrieb möglich. | Wenige hundert Kilogramm bis einige Tonnen, kleine Abstützfläche. | Deckenlast, Türbreiten, Abstützpunkte prüfen. |
Wie trägt der Kran die Last? Lastmoment, Ausladung, Ballast
Ein Kran trägt eine Last nicht nach seiner Nennlast, sondern nach dem Lastmoment: dem Produkt aus Lastgewicht und Ausladung, also dem waagerechten Abstand zwischen Drehmitte und Haken. Verdoppelt sich die Ausladung, halbiert sich die zulässige Last. Jede Tragfähigkeitsangabe ohne Ausladung ist deshalb wertlos.
Was der Kran bei welcher Ausladung und Auslegerlänge darf, steht in der Traglasttabelle des Herstellers. Sie gilt nur für den eingestellten Rüstzustand: Ballast auf dem Oberwagen, Stützbasis, Auslegerlänge und gegebenenfalls Spitzenausleger. Der Ballast hält dem Kippmoment der Last das Gegengewicht entgegen; ohne den passenden Ballast stimmt keine Zeile der Tabelle. Der Lastmomentbegrenzer stoppt die Bewegung, bevor der Kran kippt – er ersetzt aber keine Planung.
Die Abstützung bringt die Kräfte in den Boden. An den vier Stützen entstehen Stützkräfte, die je nach Kran und Last viele Tonnen je Stütze erreichen. Lastverteilplatten vergrößern die Aufstandsfläche und senken die Bodenpressung, also die Kraft je Quadratmeter. Ob der Boden sie aufnimmt, entscheidet nicht die Oberfläche, sondern das, was darunter liegt: Schächte, Kanäle, Kellerdecken, verfüllte Gruben.
Ein Beispiel aus unserer Praxis: Für die Einbringung einer Netzersatzanlage ins zweite Obergeschoss, rund 16 Meter Hubhöhe, standen zwei Autokrane mit je 650 Tonnen Tragfähigkeit. Diese Zahl sagt weniger über das Gewicht der Last aus als über die Ausladung, mit der gearbeitet werden musste.
Was ist ein Tandemhub?
Ein Tandemhub ist ein Hub, bei dem zwei Krane dieselbe Last gleichzeitig tragen, weil sie für einen Kran zu schwer, zu lang oder zu sperrig ist. Der klassische Fall ist ein langer Container, der waagerecht bleiben muss und dessen Anschlagpunkte weit auseinander liegen.
Der Tandemhub ist mehr als zwei Einzelhübe nebeneinander. Die Last verteilt sich nach der Lage des Schwerpunkts ungleich auf beide Haken, und jede Schräglage verschiebt diese Verteilung. Deshalb rechnen wir für jeden Kran mit einem Zuschlag auf seinen Lastanteil und halten beide Haken während des gesamten Hubs lotrecht. Beide Krane bewegen sich nur auf Kommando, und dieses Kommando gibt genau eine Person.
Welcher Kran welchen Anteil trägt, in welcher Reihenfolge angehoben, geschwenkt und abgesetzt wird und wo die Last bei einem Abbruch abgesetzt werden kann, steht im Liftplan, dem schriftlichen Hubplan. Was dieser Plan enthält und wer ihn freigibt, lesen Sie im Ratgeber zur verantwortlichen Person für Hebearbeiten.
Was muss der Betreiber vor dem Kraneinsatz vorbereiten?
Vor dem Kraneinsatz muss der Betreiber vier Dinge klären: die Kranstellfläche, die Zufahrt, die Freileitungen und die Wetterlage. Alle vier entscheiden, ob der bestellte Kran überhaupt arbeiten kann.
- Kranstellfläche. Sie muss eben, ausreichend groß und bis in den Untergrund tragfähig sein. Ein Bodennachweis klärt, welche Stützkraft die Fläche aufnimmt; darunter liegende Schächte und Kanäle sind die häufigste Überraschung.
- Zufahrt. Ein Mobilkran ist durch seine Allradlenkung wendig, aber lang. Kurvenradien, Tore und Schranken werden ausgemessen, Begleitfahrzeuge und Ballastwagen mitgerechnet.
- Freileitungen. Zu stromführenden Leitungen gelten gestaffelte Sicherheitsabstände von einem bis fünf Metern je nach Spannung; bei unbekannter Spannung gilt der größte Wert. Sonst wird die Leitung abgeschaltet oder abgeschrankt.
- Windgrenze. Die Traglasttabelle gilt nur bis zur Windgeschwindigkeit, die die Betriebsanleitung nennt – ein verbreiteter Bezugswert liegt bei rund neun Metern je Sekunde. Große Lastflächen wie Container senken diese Grenze deutlich.
Dazu kommt die Aufgabenteilung, die wir vorab schriftlich festhalten: Das Kranunternehmen stellt Kran, Kranführer und Ballast und bleibt für den sicheren Betrieb der Maschine verantwortlich. Wir planen den Hub, bestimmen Anschlagmittel und Anschlagpunkte, schlagen an, weisen ein und geben jeden Hub frei. Das ist keine Rechtsberatung, sondern die Arbeitsteilung, die sich auf unseren Baustellen bewährt hat.
Worauf wir achten
Bei jedem Kraneinsatz prüfen wir dieselben Punkte, weil sich dort die Fehler häufen.
- Wir fragen zuerst nach der Stellfläche, dann nach dem Kran. Die Maschine, die von der erlaubten Fläche aus gerade reicht, ist die richtige – mehr Tragfähigkeit heißt auch mehr Gewicht, mehr Abstützfläche und mehr Platz beim Rüsten.
- Wir lesen die Traglasttabelle mit dem tatsächlichen Rüstzustand. Ballast, Stützbasis und Auslegerlänge auf der Baustelle müssen der Zeile entsprechen, die der Hub braucht. Alles andere ist ein Rechenfehler.
- Wir rechnen das Lastgewicht mit Anschlagmitteln, Traverse und Hakenflasche. Beim Tandemhub kommt der Zuschlag für die ungleiche Lastverteilung dazu.
- Wir sichern die Stellfläche gegen Veränderungen. Eine Fläche, die heute trägt, trägt morgen nicht mehr, wenn nebenan gegraben wird.
- Wir prüfen die Anschlagpunkte, bevor der Haken kommt. Sichtprüfung und Nachrechnung der Geometrie gehören zur Freigabe, auch wenn der Hersteller der Last die Punkte vorgegeben hat.
- Wir halten den Hub an, wenn eine Annahme nicht mehr stimmt. Wind, Sicht, ein Fahrzeug im Schwenkbereich: Die Freigabe gilt nur für die geplante Situation.
Wo wir das einsetzen
Autokrane gehören bei uns im Rhein-Main-Gebiet zu fast jedem Lift & Shift, also dem Heben und Versetzen schwerer Anlagen. Beim Tandemhub einer Netzersatzanlage ins zweite Obergeschoss trugen zwei Autokrane mit je 650 Tonnen Tragfähigkeit eine Containeranlage über die Fassade; die schwerste Containerlösung, die wir bisher eingebracht haben, wog 54 Tonnen. Beim Einsetzen von fünf Dieseltanks in eine Grube in Raunheim entschied die Stellfläche über die Maschine: Der Kran mit 52 Metern Hauptausleger und bis zu 44 Metern Ausladung passte nur an wenige Stellen, und die Toranlage musste weichen. Was wir dabei leisten, steht auf unserer Seite zu Lift & Shift.
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Über den Autor
Tobias Schott
Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung
Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Wissenswertes-Beiträge erklären das Gerät und die Technik, mit der sein Team täglich arbeitet: Was auf unseren Baustellen zählt, steht drin – was nur im Prospekt steht, nicht.