- Ratgeber – Lift & Shift
Anschlagmittel für schwere Lasten: Rundschlinge, Kette oder Traverse?
Von Tobias Schott · Lesezeit ca. 24 Minuten · Stand: Oktober 2026
Das richtige Anschlagmittel ist nicht das stärkste, sondern das, dessen Tragfähigkeit nach Neigungswinkel, Anschlagart und Kantenlage zur Last passt – und das vor jedem Hub geprüft wurde.
Eine Maschine, ein Tank oder ein Schaltschrank kommt auf dem Tieflader an, der Kran steht, und jetzt muss die Last an den Haken – mit Anschlagmitteln, die für schwere Lasten ausgelegt und geprüft sind. Was einfach aussieht, entscheidet über den ganzen Einbringtag: Hängt die Last schief, weil der Schwerpunkt falsch eingeschätzt wurde? Reißt eine Rundschlinge an einer scharfen Blechkante? Reicht das Kettengehänge, wenn der Neigungswinkel wegen der niedrigen Hallendecke flacher wird als geplant?
Für Projektleiter, Bauleiter und Sicherheitsfachkräfte ist das Thema Anschlagmittel für schwere Lasten oft eine Black Box: Der Montagebetrieb bringt sein Rigging-Material mit, der Anschläger hängt an, der Kranführer nickt, es wird gehoben. Dieser Artikel öffnet die Box. Er erklärt, welche Anschlagmittel es gibt, wie Rundschlinge, Kette und Traverse sich unterscheiden, warum der Neigungswinkel so entscheidend ist, wie Anschlagpunkte geprüft werden und was die DGUV Regel 100-500 verlangt – gezeigt an Einsätzen aus Raunheim, Fulda und dem Rhein-Main-Gebiet.
Das Wichtigste in Kürze
- Anschlagmittel verbinden die Last mit dem Kranhaken; Rundschlingen, Hebebänder, Ketten und Drahtseile haben jeweils eigene Stärken und klare Einsatzgrenzen.
- Rundschlingen schonen empfindliche Oberflächen, sind aber empfindlich gegen scharfe Kanten und Hitze; Ketten vertragen Kanten und Temperatur, brauchen aber Kantenschutz für die Last.
- Der Neigungswinkel der Stränge zur Senkrechten bestimmt die Tragfähigkeit des Gehänges: über 45 Grad sinkt sie deutlich, über 60 Grad ist Anschlagen unzulässig.
- Bei vier Strängen rechnet man nur mit drei tragenden Strängen, weil nie alle vier gleichmäßig tragen.
- Eine Traverse ist nötig, wenn Anschlagpunkte keinen Schrägzug vertragen, die Hubhöhe nicht für ein steiles Gehänge reicht oder die Last beim Anheben verformt würde.
- Anschlagmittel sind vor jedem Einsatz vom Anschläger zu sichten und mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person zu prüfen; ablegereife Mittel gehören sofort aus dem Verkehr.
- Jeder Hub schwerer Lasten gehört in einen Hubplan (auch Hebeplan oder Liftplan genannt), der Anschlagmittel, Neigungswinkel, Anschlagpunkte, Kantenschutz und den abgesperrten Lastbereich vorab festlegt.
Was sind Anschlagmittel?
Anschlagmittel sind Einrichtungen, die eine Last mit dem Lasthaken eines Hebezeugs verbinden und nicht fest zum Kran gehören – Rundschlingen, Hebebänder, Anschlagketten, Anschlagseile sowie Verbindungselemente wie Schäkel, Haken und Aufhängeglieder.
Davon abzugrenzen sind Lastaufnahmemittel: Traversen, Greifer, C-Haken oder Paletten-Gabeln, die zwischen Kranhaken und Last hängen und selbst eine tragende Konstruktion sind. Beide zusammen bilden die „Lastaufnahmeeinrichtungen“, deren Betrieb die DGUV Regel 100-500 in Kapitel 2.8 regelt. Für die Praxis ist die Unterscheidung wichtig, weil Lastaufnahmemittel wie Traversen als Maschinen gelten, eine Konformitätserklärung und eine Betriebsanleitung brauchen und mit ihrem Eigengewicht die nutzbare Kranlast reduzieren.
Ein Gehänge ist die Kombination mehrerer Anschlagmittel zu einer Einheit – etwa vier Ketten an einem Aufhängering. Seine Tragfähigkeit ist nie die Summe seiner Stränge, sondern hängt vom Neigungswinkel ab.
Welche Anschlagmittel für schwere Lasten gibt es – und wofür eignen sie sich?
Für schwere Lasten kommen vier Anschlagmitteltypen infrage – Rundschlinge, Hebeband, Anschlagkette und Anschlagseil –, und jeder hat einen typischen Einsatzbereich und eine Schwäche, die über seine Eignung entscheidet.
| Anschlagmittel | Stärken | Grenzen | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| Rundschlinge (Polyester-Endlosschlinge mit Schutzschlauch) | leicht, flexibel, schont Oberflächen, legt sich um runde Lasten | empfindlich gegen scharfe Kanten, Hitze, Chemikalien, UV; Schutzschlauch verdeckt den Kern | lackierte Maschinen, Behälter, Schaltschränke, Rohre |
| Hebeband (flaches Gewebeband mit Schlaufen) | breite Auflage verteilt Druck, gute Lagestabilität | wie Rundschlinge kantenempfindlich; weniger anpassungsfähig | Kisten, Platten, Maschinen mit glatten Auflageflächen |
| Anschlagkette (Rundstahlkette Güteklasse 8 oder 10 mit Haken und Verkürzungsgliedern) | unempfindlich gegen Kanten, Hitze, Schmutz; längenverstellbar; hohe Tragfähigkeit bei geringem Bauraum | schwer, kann Oberflächen beschädigen; Verkürzungsglieder müssen korrekt eingehängt sein | Stahlbau, Tanks mit Anschlagösen, Hübe mit Schwerpunktausgleich |
| Anschlagseil (Stahldrahtseil mit Pressklemmen) | formstabil, gute Kantenverträglichkeit bei großem Radius | steif, Drahtbrüche schwer zu erkennen, nicht verstellbar | Langgut, Baustellenbetrieb, Dauerhübe |
Für Verbindungselemente gelten eigene Regeln: Schäkel dürfen nur im Bolzen und im Bügelgrund belastet werden, nicht seitlich; der Schraubbolzen muss vollständig eingedreht und gegen Lösen gesichert sein. Haken brauchen eine funktionierende Hakensicherung und werden im Hakengrund belastet, nicht an der Spitze.
Rundschlingen erkennen Sie auf einen Blick an der Farbe ihres Schutzschlauchs: Nach DIN EN 1492-2 steht Violett für 1 Tonne, Grün für 2, Gelb für 3, Grau für 4, Rot für 5, Braun für 6, Blau für 8 und Orange für 10 Tonnen und mehr. Das gilt für den geraden Zug mit einem Strang – alle anderen Anschlagarten verändern den Wert.
Rundschlinge oder Kette: wie entscheiden Sie bei schweren Lasten?
Die Wahl zwischen Rundschlinge und Kette richtet sich nach Oberfläche, Kanten, Temperatur und Verstellbedarf der Last: Empfindliche Oberflächen und runde Formen sprechen für die Rundschlinge, scharfe Kanten, Hitze und ein auszugleichender Schwerpunkt sprechen für die Kette.
Wann die Rundschlinge die bessere Wahl ist
Rundschlingen sind unsere Standardwahl, wenn die Last lackiert, verkleidet oder gestaltet ist – also bei fast allem, was im Rechenzentrum oder in einer Produktionshalle am Ende sichtbar bleibt. Beim Aufstellen von 160 Stromverteilerschränken (PDCs) in einem Rechenzentrum legte sich die Rundschlinge um jedes Gehäuse, ohne Lack oder Bleche zu zeichnen; auch beim Einheben von fünf 100-Kubikmeter-Dieseltanks in Raunheim bestand das Gehänge aus Rundschlingen und Schäkeln – beide Einsätze beschreiben wir im Praxisteil.
Ihre Grenze liegt bei scharfen Kanten und Wärme. Eine Kante gilt für textile Anschlagmittel als scharf, wenn ihr Radius kleiner ist als die Dicke des Anschlagmittels – dann schneidet sie unter Last in das Gewebe. Polyester-Rundschlingen sind zudem nur bis etwa 100 Grad Celsius einsetzbar und dürfen nicht mit Säuren oder Laugen in Kontakt kommen.
Wann die Kette die bessere Wahl ist
Ketten nehmen wir, wenn die Last Stahlkanten hat, heiß sein kann, verschmutzt ist oder wenn wir den Schwerpunkt über die Stranglänge ausgleichen müssen. Verkürzungsglieder an jedem Strang erlauben es, die Last trotz außermittigem Schwerpunkt waagerecht zu heben – oder bewusst schräg. Bei der Ausbringung eines Spinnenkrans aus dem Keller eines Rechenzentrums in Raunheim fehlten für den aufrechten Durchgang durch den Schacht zwei Zentimeter; die Lösung war ein vierstrangiges Kettengehänge mit Verkürzungsgliedern, an dem der Kran kontrolliert schräg hing. Mit Rundschlingen wäre dieser Feinabgleich nicht möglich gewesen.
Beim Einbringen von Generatoren und Lastbänken in ein Rechenzentrum in Frankfurt waren Kettengehänge am Autokran der 220-Tonnen-Klasse das Mittel der Wahl: Containermodule mit Stahlrahmen, definierte Anschlagpunkte, mehrere Hübe hintereinander, alle Lasten mit Führungsleinen (Taglines) gegen Drehen und Pendeln geführt – hier zählt Robustheit.
Die Entscheidungsmatrix
| Kriterium | Rundschlinge | Kette |
|---|---|---|
| Lackierte oder verkleidete Oberfläche | ja | nur mit Schutz |
| Scharfe Stahlkanten | nur mit Kantenschutz | ja |
| Temperatur über 100 °C | nein | ja, innerhalb der Herstellerangabe |
| Schwerpunktausgleich über Stranglänge | nein | ja, über Verkürzungsglieder |
| Geringer Bauraum zwischen Last und Haken | bedingt | ja |
| Dauereinsatz auf verschmutzter Baustelle | eingeschränkt | ja |
| Gewicht des Anschlagmittels | gering | hoch |
Warum der Neigungswinkel die Tragfähigkeit bestimmt
Der Neigungswinkel – der Winkel zwischen einem Strang und der Senkrechten – bestimmt, welche Kraft im einzelnen Strang wirkt: Je flacher das Gehänge, desto größer die Strangkraft, und ab 60 Grad ist das Anschlagen unzulässig.
Die Physik dahinter ist einfach. Hängt eine Last an zwei senkrechten Strängen, trägt jeder die Hälfte. Spreizen sich die Stränge, kommt zur Hubkraft eine waagerechte Komponente hinzu, die die Stränge gegeneinander zieht. Bei 60 Grad Neigungswinkel trägt jeder der beiden Stränge bereits so viel wie das volle Lastgewicht. Deshalb geben die Belastungstabellen für Anschlagmittel – zusammengefasst in der DGUV Information 209-021 – Faktoren an, mit denen die Tragfähigkeit des Einzelstrangs multipliziert wird:
| Anschlagart | Neigungswinkel 0–45° | Neigungswinkel 45–60° | über 60° |
|---|---|---|---|
| Einstrang, senkrecht | 1,0 | – | – |
| Zweistrang | 1,4 | 1,0 | unzulässig |
| Drei- und Vierstrang | 2,1 | 1,5 | unzulässig |
| Rundschlinge im Schnürgang | 0,8 | – | – |
| Rundschlinge in U-Form, Stränge parallel | 2,0 | – | – |
Zwei Dinge fallen auf. Erstens: Vier Stränge bringen nur den Faktor 2,1 – nicht 2,8. Der Grund ist, dass bei einem vierstrangigen Gehänge nie alle vier Stränge gleichmäßig tragen; man rechnet mit drei. Zweitens: Der Schnürgang, bei dem die Rundschlinge um die Last geschlungen und durch sich selbst gezogen wird, reduziert die Tragfähigkeit auf 80 Prozent, weil die Schlinge an der Umlenkung geknickt wird.
Warum die Hubhöhe mit dem Winkel zusammenhängt
Ein steiles Gehänge ist tragfähiger, braucht aber Bauhöhe. In einer Halle mit geringer lichter Höhe oder unter einem Hallenkran mit begrenzter Hakenhöhe wird das Gehänge zwangsläufig flacher – und verliert Tragfähigkeit; für Planer ist die Hakenhöhe über dem Aufstellort deshalb eine Planungsgröße. Wer die Gehängehöhe nicht zur Hubhöhe addiert, stellt am Hubtag fest, dass der Kran zwar die Last, aber nicht die Höhe schafft.
Wie finden und prüfen Sie die Anschlagpunkte an der Last?
Anschlagpunkte – Lastösen, Lastböcke oder Anschlagwirbel – sind die vom Hersteller oder Planer vorgesehenen Stellen, an denen eine Last gehoben werden darf; sie müssen für das Gewicht, die Anschlagrichtung und die Anzahl der Stränge ausgelegt sein und vor jedem Hub gesichtet werden.
Die Arten von Anschlagpunkten
- Ringschrauben nach DIN 580 dürfen nur in Achsrichtung voll belastet werden; bei Schrägzug sinkt ihre Tragfähigkeit stark, und sie müssen vollständig eingeschraubt und plan aufliegen.
- Wirbel- oder drehbare Anschlagpunkte richten sich in Zugrichtung aus und sind für Schrägzug ausgelegt – die erste Wahl, wenn ein mehrstrangiges Gehänge an einer Maschine angreift.
- Aufgeschweißte Anschlagpunkte oder Lastböcke sind Teil der Konstruktion. Ihre Tragfähigkeit steht beim Hersteller; die Schweißnaht muss vor dem Hub sichtgeprüft werden.
- Angeklebte oder einlaminierte Ösen an Kunststoffbehältern (GfK) vertragen in der Regel nur senkrechten Zug – jeder Schrägzug kann sie aus dem Behälter reißen.
- Transportösen und Gabeltaschen an Maschinen finden Sie in der Betriebsanleitung; dort steht auch, ob sie für die komplette Maschine oder nur für ein Modul ausgelegt sind.
Nie angeschlagen wird an Rohrleitungen, Geländern, Handgriffen, Verkleidungen oder Augenschrauben unbekannter Herkunft.
Die Prüfung vor dem Hub
Beim Einheben der Dieseltanks in Raunheim hatte der Tankhersteller vier Anschlagpunkte auf den Scheitel jedes Tanks geschweißt. Wir haben uns darauf nicht verlassen, sondern jeden Punkt vor dem Anschlagen gesichtet und die Hängegeometrie nachgerechnet. Diese Prüfung ist Aufgabe der verantwortlichen Person für Hebearbeiten (Lifting Supervisor), die den Hubplan verantwortet und die Hubfreigabe erteilt; wie der Einbringtag insgesamt abläuft, beschreibt unser Grundlagen-Ratgeber Der Einbringtag: Ablauf, Vorlaufzeiten und Schnittstellen aus Sicht des Projektleiters.
Fehlen zertifizierte Anschlagpunkte – bei Bestandsmaschinen, zerlegten Baugruppen oder Behältern ohne Ösen –, wird die Last umschlungen, auf einem Transportgestell gehoben oder mit einer Traverse aufgenommen; vorher ist zu klären, ob die Konstruktion die Kräfte an den Umschlingungsstellen aufnimmt.
Wann brauchen Sie eine Traverse?
Eine Traverse brauchen Sie, wenn die Anschlagpunkte keinen Schrägzug vertragen, die verfügbare Hubhöhe nicht für ein ausreichend steiles Gehänge reicht, die Last beim Anheben zusammengedrückt oder verformt würde oder mehrere Anschlagpunkte in einer Linie gleichmäßig belastet werden müssen.
Eine Traverse ist ein Lastaufnahmemittel – ein Träger aus Stahl oder Aluminium, der am Kranhaken hängt und an dessen Enden die Anschlagmittel senkrecht zur Last führen. Sie wandelt das Problem „Schrägzug“ in das Problem „Eigengewicht und Bauhöhe“. Deshalb ist sie keine Universallösung, sondern eine gezielte Antwort auf vier Situationen:
- Empfindliche Anschlagpunkte. Beim Aufstellen von GfK-Tanks für eine Brenneranlage in Fulda waren die Anschlagösen an die Behälter geklebt. Ein Schrägzug hätte sie aus dem Tank reißen können. Wir haben eine speziell gefertigte Hubtraverse eingesetzt, sodass die Stränge senkrecht an den Ösen angriffen, und die Tanks zusätzlich mit einem Führungsseil gegen Pendeln gesichert.
- Zu wenig Hubhöhe. Unter einer niedrigen Hallendecke oder einem Hallenkran mit begrenzter Hakenhöhe ersetzt die Traverse das steile Gehänge: Statt zwei Metern Gehängehöhe braucht sie oft nur die Höhe ihres eigenen Aufhängepunkts.
- Lange oder biegeweiche Lasten. Rohre, Träger, Kranbrücken oder Maschinenbetten würden an einem Zweistranggehänge durchhängen oder zusammengedrückt werden. Die Traverse hält die Anschlagpunkte auf Abstand.
- Mehrpunktaufnahme. Wenn eine Last an vier oder mehr Punkten gleichmäßig aufgenommen werden muss, sorgt eine Traverse mit Wippen oder Ausgleichsrollen für die Lastverteilung, die ein starres Gehänge nicht leisten kann.
Traversen gelten als Maschinen im Sinne der Maschinenrichtlinie: Sie brauchen eine CE-Kennzeichnung, eine Konformitätserklärung, eine Tragfähigkeitsangabe am Bauteil und eine Betriebsanleitung – auch als Einzelstück. Für Sonderfälle fertigen wir Traversen und Hilfskonstruktionen in unserer eigenen Werkstatt in Rodgau; mehr dazu auf unserer Seite Sonderanfertigungen aus der eigenen Werkstatt. Das Eigengewicht der Traverse zählt zur Kranlast und steht deshalb im Hubplan.
Welche Rolle spielen Kantenschutz, Schwerpunkt und Schräganschlag?
Kantenschutz, Schwerpunktlage und ein kontrollierter Schräganschlag entscheiden darüber, ob ein auf dem Papier richtiges Gehänge in der Praxis hält: Kanten zerstören textile Anschlagmittel, ein falsch eingeschätzter Schwerpunkt lässt die Last kippen, und schräg hängen darf nur, was dafür gerechnet wurde.
Kantenschutz
Scharfe Kanten sind die häufigste Ursache für beschädigte Rundschlingen und Hebebänder. Kantenschutz – Schutzschläuche, Kantenschoner aus Kunststoff oder Stahl, Kanthölzer oder Gummiplatten – vergrößert den Radius an der Umlenkung und verteilt den Druck. Er gehört zu jedem Hub mit textilen Anschlagmitteln an Stahl- oder Betonkanten und zu jedem Hub mit Ketten an Lasten, die nicht beschädigt werden dürfen. Im Hubplan steht, wo er sitzt. Auch die Umgebung braucht Schutz – in Raunheim haben wir Bauaufzug und Rampe mit Kanthölzern unterbaut, bevor der Spinnenkran darüberfuhr.
Schwerpunkt
Der Kranhaken muss senkrecht über dem Schwerpunkt der Last stehen, sonst kippt sie beim Anheben in Richtung der schweren Seite. Bei Maschinen mit außermittiger Schwerpunktlage – Motor an einem Ende, Steuerschrank am anderen – werden die Stranglängen angepasst oder eine Traverse mit verschiebbarem Aufhängepunkt verwendet. Ein Probehub von wenigen Zentimetern zeigt, ob die Rechnung stimmt; erst dann gibt die verantwortliche Person den Hub frei. Steht der Schwerpunkt nicht in den Herstellerunterlagen, wird er aus Zeichnungen, Gewichtsverteilung und Erfahrung abgeschätzt – und der Probehub wird umso wichtiger.
Kontrollierter Schräganschlag
Manchmal muss eine Last schräg hängen – weil ein Schacht zu eng ist, eine Türöffnung zu niedrig oder die Endlage es verlangt. Beim Spinnenkran in Raunheim entstanden die fehlenden zwei Zentimeter durch einen Schräganschlag am verkürzbaren Kettengehänge. Was dabei gerechnet wurde: Schwerpunktlage, Strangkräfte, Sicherung gegen Pendeln. Unser Grundsatz dazu lautet: „Schräg heißt bei uns kontrolliert schräg, nicht ‚wird schon halten‘.“ Ein ungeplanter Schräganschlag dagegen – weil ein Strang zu kurz oder ein Anschlagpunkt falsch gewählt war – ist ein Grund für die Stopp-Befugnis: Der Hub wird abgebrochen.
Wie oft müssen Anschlagmittel geprüft werden – und wann sind sie ablegereif?
Anschlagmittel sind vor jedem Einsatz vom Anschläger auf augenfällige Mängel zu sichten und mindestens einmal jährlich durch eine befähigte Person zu prüfen; sobald ein Ablegereifekriterium erreicht ist, dürfen sie nicht mehr verwendet werden.
Die Prüfpflichten
Die Betriebssicherheitsverordnung verlangt in § 14 die wiederkehrende Prüfung von Arbeitsmitteln; die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1201 (Prüfungen von Arbeitsmitteln) und die DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.8, konkretisieren das für Anschlagmittel. Die Fristen stehen in TRBS 1201, Anhang 4 – dort können Sie sie nachschlagen: wiederkehrende Prüfung durch eine befähigte Person einmal pro Jahr, bei intensiver Nutzung oder rauen Bedingungen in kürzeren Abständen; Rundstahlketten und Hebebänder mit aufvulkanisierter Umhüllung zusätzlich alle drei Jahre auf Rissfreiheit. Das Prüfergebnis wird dokumentiert, die Aufzeichnung ist mindestens bis zur nächsten Prüfung aufzubewahren.
Für Sie als Auftraggeber ist eine Stelle der TRBS 1201 besonders nützlich: Auf wechselnden Einsatzorten gilt eine Plakette, ein Stempel oder eine Kopie der Prüfaufzeichnung als Nachweis – die Plakette belegt aber nur, dass geprüft wurde, nicht, dass das Mittel mängelfrei ist. Verlangen Sie deshalb am Hubtag den Nachweis und den Blick auf das Anschlagmittel selbst.
Daneben steht die Kontrolle an jedem Arbeitstag, die die TRBS 1201 für Lastaufnahmemittel ausdrücklich vorschreibt und die der Anschläger vor dem ersten Hub macht: Etikett lesbar? Schutzschlauch unbeschädigt? Kette ohne Verformung? Haken mit Sicherung? Auf vielen Baustellen internationaler Auftraggeber kommt eine wöchentlich dokumentierte Sichtprüfung mit farblicher Monatskennzeichnung hinzu – sie ersetzt die jährliche Prüfung nicht, sondern ergänzt sie. Beim Austausch einer CRAH-Unit im laufenden Rechenzentrum in Frankfurt haben wir alle Maschinen und Anschlagmittel vor jedem Einsatz erneut geprüft, auch wenn sie am Vortag im Einsatz waren.
Ablegereife: wann ein Anschlagmittel aussortiert wird
| Anschlagmittel | Ablegereif bei |
|---|---|
| Rundschlinge | beschädigtem Schutzschlauch mit sichtbarem Kern, fehlendem oder unlesbarem Etikett, Knoten, Hitze- oder Chemikalienschäden, Verhärtung |
| Hebeband | Garnbrüchen, Einschnitten an den Kanten, beschädigten Nähten, fehlendem Etikett, Verfärbung durch Chemikalien |
| Anschlagkette | Längung um mehr als 5 Prozent, Querschnittsminderung um mehr als 10 Prozent, Rissen, verbogenen oder verdrehten Gliedern, Korrosionsnarben, fehlender Kennzeichnung |
| Anschlagseil | Drahtbrüchen in größerer Zahl, Korbbildung, Knicken (Klanken), Quetschungen, Lockerung der Pressklemmen, Korrosion |
| Haken | Aufweitung des Hakenmauls um mehr als 10 Prozent, fehlender oder defekter Sicherung, Anrissen, Verformung |
| Schäkel | verbogenem Bügel, beschädigtem Gewinde, fehlendem Bolzen oder Sicherung, fehlender Tragfähigkeitsangabe |
Ein ablegereifes Anschlagmittel wird sofort aus dem Einsatz genommen – nicht „für leichte Lasten“ weiterverwendet. Die TRBS 2111 (mechanische Gefährdungen) geht einen Schritt weiter und verlangt, mangelhafte Anschlagmittel erkennbar unbrauchbar zu machen, damit sie nicht aus Versehen zurück in den Umlauf geraten. Ein fehlendes Etikett allein reicht für die Aussonderung, weil ohne Tragfähigkeitsangabe niemand weiß, was das Mittel trägt.
Was sagt die DGUV Regel 100-500 zum Anschlagen von Lasten?
Die DGUV Regel 100-500 „Betreiben von Arbeitsmitteln“ regelt in Kapitel 2.8 den Betrieb von Lastaufnahmeeinrichtungen im Hebezeugbetrieb – von der Auswahl über das Anschlagen und den Lasttransport bis zur Prüfung und Ablegereife – und ist damit die zentrale Regel für alle, die schwere Lasten anschlagen.
Die wichtigsten Grundsätze daraus für Ihre Baustelle:
- Anschlagmittel sind nach Tragfähigkeit, Anschlagart, Neigungswinkel und Lastbeschaffenheit auszuwählen; nur gekennzeichnete, geprüfte und unbeschädigte Mittel dürfen verwendet werden.
- Lasten sind so anzuschlagen, dass sie nicht verrutschen, kippen oder herabfallen können; Haken sind zu sichern, Schäkel korrekt zu belasten, scharfe Kanten zu schützen.
- Aufenthaltsverbot unter schwebender Last: Der Lastbereich wird abgesperrt, Lasten werden nicht über Personen geführt.
- Zwischen Anschläger (Slinger), Einweiser (Banksman) und Kranführer ist eine eindeutige Verständigung sicherzustellen – nur eine Person gibt Zeichen. Die Handzeichen dafür sind in der ASR A1.3 festgelegt, auf die auch der BG BAU/BAuA-Baustein „Baustelleneinrichtung – Großgeräte" verweist; wer die Zeichen kennt, erkennt am Hubtag, ob Einweiser und Kranführer dieselbe Sprache sprechen.
- Anschlagmittel sind regelmäßig durch eine befähigte Person zu prüfen, die Ergebnisse zu dokumentieren.
- Wer anschlagen darf, ist nach TRBS 2111 eindeutig zu definieren und schriftlich festzuhalten – als Auftraggeber dürfen Sie fragen, wer auf Ihrer Baustelle zum Benutzerkreis gehört.
Flankierend gelten die DGUV Vorschrift 52 „Krane“ für den Kranbetrieb, die DGUV Information 209-013 „Anschläger“ als Unterweisungsgrundlage und die DGUV Information 209-021 mit den Belastungstabellen. Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz legt für den konkreten Hub die Maßnahmen fest; der Hubplan ist ihre praktische Umsetzung, die Betriebsanweisung für Anschlagmittel und die Kurzunterweisung (Toolbox Talk) vor dem Hub bringen sie zum Team. Wer Anschläger stellt, muss sie unterwiesen haben und ihre Befähigung nachweisen können – ein Punkt, den Sie als Auftraggeber verlangen dürfen.
So machen wir das in der Praxis
In unseren Einsätzen entscheidet der Hubplan über Anschlagmittel, Winkel und Anschlagpunkte, bevor die Last am Haken hängt – drei Beispiele.
Fünf Dieseltanks am Rundschlingengehänge in Raunheim
Beim Einsetzen von fünf 100-Kubikmeter-Dieseltanks in die Grube eines Rechenzentrums in Raunheim hing jeder Tank – leer rund 16 Tonnen, 16,16 Meter lang, 2,90 Meter Durchmesser – an einem Gehänge aus Rundschlingen und Schäkeln, das an vier aufgeschweißten Anschlagpunkten auf dem Scheitel angriff. Länge und Tragfähigkeit der Rundschlingen waren im Hubplan definiert. Der Anschlagwinkel wurde als Kompromiss zwischen Strangkraft und Gehängehöhe gerechnet, die Gehängehöhe zur Hubhöhe addiert. Vor jedem Anschlagen stand die Sichtprüfung der Anschlagpunkte. Der Mobilkran schwenkte die Tanks über die Verbauwand in die Grube, wo zwischen Verbau und Betonsohle wenig Luft blieb. Nach drei Einsatztagen lagen alle fünf Tanks auf ihren Auflagern.
GfK-Tanks an der Traverse in Fulda
Beim Aufstellen von GfK-Tanks für eine Brenneranlage in Fulda war das Anschlagmittel vom Behälter vorgegeben: Die Ösen waren angeklebt, und ein Schrägzug hätte sie aus dem Tank reißen können. Wir haben mit einer speziell gefertigten Hubtraverse gehoben, sodass die Stränge senkrecht angriffen, und die Tanks mit einem Führungsseil gegen unkontrollierte Schwingungen gesichert. Die Betonfundamente wurden gereinigt und mit einer Bautenschutzmatte belegt, die Tanks nach dem Ausrichten mit Schwerlastankern fixiert. Die Verständigung zwischen Einweiser und Kranführer lief über Funk und Handzeichen – ein zweiter Mann als Einweiser war fester Teil des Ablaufs.
160 Schaltschränke am Traversen-Portal im Rhein-Main-Gebiet
Beim Einbringen und Aufstellen von 160 Stromverteilerschränken in acht Datenhallen eines Rechenzentrums im Rhein-Main-Gebiet ging es nicht um einen großen Hub, sondern um 160 gleiche. Je 20 Schränke pro Halle, in zwei Reihen à zehn, verteilt über vier Ebenen. Die Schränke wurden auf ihren Paletten mit einem Portal aus Aluminiumtraversen und Kettenzug angehoben, mit Rundschlingen angeschlagen, kontrolliert auf den Bodenschutz abgesetzt und an laservermessenen Positionen in Flucht ausgerichtet. Sechs Lift-&-Shift-Mechaniker, mehrere Wochen, keine Beschädigung. Bei Serienhüben entscheidet nicht die Tragfähigkeitsreserve, sondern die Disziplin, beim 140. Schrank dieselbe Sichtprüfung zu machen wie beim ersten.
Steht bei Ihnen eine Last ohne klare Anschlagpunkte, mit außermittigem Schwerpunkt oder unter einer niedrigen Decke? Dann sprechen Sie uns an – mit Herstellerunterlagen und ein paar Fotos klären wir meist in einer Stunde, ob Rundschlinge, Kette oder Traverse passt.
Was das für Ihre Rolle bedeutet
Für Einkäufer: Schreiben Sie das Anschlagen nicht als Selbstverständlichkeit aus, sondern als Leistung mit Nachweisen im Positionstext: Hubplan mit Anschlagmitteln und Neigungswinkeln, gültige Prüfnachweise der eingesetzten Mittel als Eignungsnachweis, unterwiesene Anschläger, Kantenschutz und gegebenenfalls eine Traverse als Bedarfsposition. Fragen Sie in den Bieterfragen nach, wie der Bieter mit Lasten ohne zertifizierte Anschlagpunkte umgeht. Wer das beantworten kann, hat Ihre Anlage verstanden.
Für Planer: Sie legen fest, ob eine Anlage überhaupt sicher anzuschlagen ist: Fordern Sie beim Hersteller Anschlagpunkte mit Tragfähigkeitsangabe, Schwerpunktlage und zulässiger Anschlagrichtung an und übernehmen Sie diese Angaben in Ihre Unterlagen. Planen Sie über dem Aufstellort genügend Hakenhöhe und lichte Höhe für ein steiles Gehänge oder eine Traverse ein und sehen Sie bei Großanlagen Montageträger oder eine Kranbahn mit dokumentierter Tragfähigkeit vor – eine zu niedrige Decke macht aus einem einfachen Hub ein Sonderproblem. Bei Behältern aus Kunststoff oder mit angeklebten Ösen gehört der Hinweis „nur senkrechter Zug“ in die Planung.
Für Projektleiter und Bauleiter: Verlangen Sie den Hubplan vor dem Hubtag – am besten im Jour fixe vor dem Einbringtag – und lesen Sie darin die Zeile zu den Anschlagmitteln: Typ, Tragfähigkeit, Anschlagart, Neigungswinkel, Kantenschutz, Anschlagpunkte. Stimmen die Anschlagpunkte mit den Herstellerunterlagen der Anlage überein? Ist die Gehängehöhe in der Hakenhöhe berücksichtigt? Ist der Lastbereich im Baufeld abgesperrt und sind Vor- und Folgegewerk informiert? Als Bauleiter erteilen Sie die Hubfreigabe erst, wenn diese Fragen beantwortet sind – das spart am Hubtag Stunden.
Für Instandhaltungsleiter: Wenn Ihre Mitarbeiter mit dem Hallenkran selbst anschlagen, gilt alles hier Gesagte auch für Sie – inklusive jährlicher Prüfung durch eine zur Prüfung befähigte Person, Prüfbuch, Ablegereifekontrolle und Unterweisung. Bei Lasten, die aus der Routine fallen – außermittiger Schwerpunkt, keine Anschlagpunkte, Instandsetzung im Bestand –, lohnt sich der Montagebetrieb mit Hubplan und Traverse.
Für Sicherheitsfachkräfte und HSE-Koordinatoren: Prüfen Sie die Prüfnachweise der Anschlagmittel auf Gültigkeit, die Unterweisungsnachweise der Anschläger und die Pflichtenübertragung an die verantwortliche Person für Hebearbeiten. Achten Sie bei der Begehung am Hubtag auf das, was in Gefährdungsbeurteilung und Hubplan nicht steht: Rundschlingen über Blechkanten ohne Schutz, Ketten mit falsch eingehängten Verkürzungsgliedern, Haken ohne Sicherung, Personen im Lastbereich unter schwebender Last. Jeder dieser Punkte rechtfertigt die Stopp-Befugnis – und gehört als Beinahe-Unfall (Near Miss) gemeldet, wenn es knapp war.
Prüfliste Anschlagmittel: Checkliste zum Anfordern
Unsere Prüfliste Anschlagmittel ist eine einseitige Checkliste für die Sichtprüfung vor dem Einsatz: Für Rundschlinge, Hebeband, Kette, Drahtseil, Haken und Schäkel listet sie die Ablegereifekriterien, die sofort zur Aussonderung führen, und ergänzt Felder für Neigungswinkel, Tragfähigkeitsfaktor, Anschlagart, Kantenschutz und die Freigabe durch die verantwortliche Person. Sie hilft Anschlägern bei der arbeitstäglichen Kontrolle, Sicherheitsfachkräften bei der Begehung und Projektleitern als Anlage zum Hubplan. Fordern Sie die Prüfliste Anschlagmittel über unser Kontaktformular an – Stichwort „Prüfliste Anschlagmittel“.
Warum Omega Mounting?
Wir sitzen in Rodgau bei Frankfurt und schlagen schwere Lasten in Rechenzentren in Frankfurt, Raunheim und Offenbach, in Industriebetrieben in Hanau, Darmstadt und Aschaffenburg und darüber hinaus bis Fulda an. Die verlinkten Einsätze zeigen unsere Arbeitsweise: Hubplan vor dem Hub, Anschlagpunkte prüfen statt glauben, Traverse aus der eigenen Werkstatt, wenn das Standardgehänge nicht passt. Unsere Leistungen im Bereich Lift & Shift – Einbringung schwerer Anlagen umfassen Planung, Anschlagen, Hebeaufsicht und Dokumentation aus einer Hand; über unsere 24-Stunden-Hotline erreichen Sie uns auch kurzfristig. Für Sie heißt das: ein Ansprechpartner für Hubplan, Anschlagmittel und Traverse, geprüftes Material mit Nachweis auf der Baustelle und kurze Wege im Rhein-Main-Gebiet, wenn ein Hub schneller kommt als geplant.
Fazit
Anschlagmittel für schwere Lasten sind keine Frage der größten Tragfähigkeitsangabe, sondern der richtigen Kombination aus Anschlagmittel, Anschlagart, Neigungswinkel, Anschlagpunkt und Kantenschutz – festgelegt im Hubplan, geprüft vor dem Hub, dokumentiert nach DGUV Regel 100-500. Rundschlingen schonen die Last, Ketten vertragen Kanten und erlauben den Schwerpunktausgleich, Traversen lösen das Problem des Schrägzugs. Und das beste Gehänge nützt nichts, wenn es ablegereif ist oder niemand den Winkel nachgerechnet hat. Wenn Sie für Ihr nächstes Projekt einen Partner suchen, der das Anschlagen so ernst nimmt wie den Hub selbst: Schicken Sie uns Gewichtsangabe, Herstellerunterlagen und Wunschtermin – wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung, wie Ihre Last sicher an den Haken kommt.
Sie planen Wartung, Einbringung oder Montage im Rhein-Main-Gebiet?
Erzählen Sie uns kurz, worum es geht – wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung zurück.
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Über den Autor
Tobias Schott
Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung
Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Ratgeber hier schreibt er aus dieser Praxis: Was auf unseren Baustellen funktioniert, steht drin – was nur in der Norm steht, nicht.
Häufig gestellte Fragen
Anschlagmittel – Rundschlingen, Hebebänder, Ketten, Seile, Schäkel – verbinden die Last mit dem Kranhaken. Lastaufnahmemittel wie Traversen, Greifer oder C-Haken sind eigene tragende Konstruktionen zwischen Haken und Last und gelten als Maschinen mit CE-Kennzeichnung und Betriebsanleitung. Beide zusammen heißen Lastaufnahmeeinrichtungen und werden in der DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.8, geregelt.
Im Schnürgang – die Schlinge wird um die Last gelegt und durch sich selbst gezogen – trägt eine Rundschlinge nur 80 Prozent ihrer Nenntragfähigkeit, weil sie an der Umlenkung geknickt wird. In U-Form mit parallelen Strängen trägt sie dagegen das Doppelte. Beide Werte stehen auf dem Etikett und in den Belastungstabellen der DGUV Information 209-021.
Bei 60 Grad Neigungswinkel zur Senkrechten trägt jeder Strang eines Zweistranggehänges bereits so viel wie das gesamte Lastgewicht; darüber steigt die Strangkraft so steil an, dass kleine Abweichungen zur Überlastung führen. Deshalb enden die Belastungstabellen bei 60 Grad, und darüber ist Anschlagen unzulässig. Wer flacher anschlagen muss, braucht eine Traverse.
Vor jedem Einsatz sichtet der Anschläger das Anschlagmittel auf augenfällige Mängel. Mindestens einmal jährlich prüft eine zur Prüfung befähigte Person nach § 14 Betriebssicherheitsverordnung, TRBS 1201 Anhang 4 und DGUV Regel 100-500; bei rauen Einsatzbedingungen häufiger. Rundstahlketten werden zusätzlich alle drei Jahre auf Risse geprüft. Prüfergebnisse werden im Prüfbuch oder per Prüfplakette dokumentiert und müssen auf der Baustelle nachweisbar sein – dafür ist der Betrieb verantwortlich, der die Mittel einsetzt.
Eine Anschlagkette ist ablegereif, wenn sie sich um mehr als 5 Prozent gelängt hat, der Querschnitt eines Glieds um mehr als 10 Prozent abgenommen hat, Glieder verbogen, verdreht oder angerissen sind, Korrosionsnarben vorliegen oder die Kennzeichnung fehlt. Haken sind ablegereif, wenn sich das Hakenmaul um mehr als 10 Prozent aufgeweitet hat oder die Sicherung fehlt.
Auf Rechenzentrumsbaustellen in Frankfurt, Raunheim oder Offenbach gelten neben der deutschen Prüfpflicht häufig zusätzliche Anforderungen international geführter Auftraggeber: wöchentlich dokumentierte Sichtprüfungen, kürzere Nachweisfristen für Prüfzertifikate, farbliche Kennzeichnung geprüfter Mittel. Wir führen beides parallel – das deutsche Prüfregime bleibt die Grundlage. Rundschlingen dominieren wegen der empfindlichen Oberflächen, Ketten kommen bei Containern, Generatoren und Stahlkonstruktionen zum Einsatz.
Ja, die Regeln für Anschlagmittel sind branchenunabhängig: Neigungswinkel, Ablegereife, Prüfpflicht und Kantenschutz gelten für die Kranbrücke im Stahlbau genauso wie für die Spritzgussmaschine im Automobilzulieferbetrieb, den Tank in der Lebensmittelproduktion oder das Regal im Logistikzentrum. Unterschiedlich sind nur die typischen Lasten – und damit die Antwort auf die Frage Rundschlinge, Kette oder Traverse.
Anschlagen dürfen nur Personen, die dafür unterwiesen sind und deren Befähigung der Unternehmer festgestellt hat; Grundlage sind DGUV Vorschrift 1, DGUV Regel 100-500 Kapitel 2.8 und als Unterweisungsgrundlage die DGUV Information 209-013 „Anschläger“. Die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz legt die Maßnahmen für den konkreten Hub fest, die Betriebsanweisung macht sie für den Anschläger verbindlich. Als Auftraggeber oder Sicherheitsfachkraft dürfen Sie Unterweisungs- und Befähigungsnachweise der Anschläger verlangen – und nach TRBS 2111 die schriftliche Festlegung, wer zum Benutzerkreis gehört.
Schicken Sie uns über das Kontaktformular drei Angaben: Gewicht und Abmessungen der Last mit Herstellerunterlagen zu Anschlagpunkten und Schwerpunkt, Fotos oder Zeichnungen von Aufstellort und Hakenhöhe sowie den gewünschten Zeitraum. Wir prüfen, welche Anschlagmittel für Ihre schwere Last passen, kommen bei Bedarf zur Ortsbegehung und schicken Ihnen eine schriftliche Einschätzung mit Hubplan-Entwurf, Anschlagmitteln und gegebenenfalls einer Traverse aus unserer Werkstatt. Ihr Ansprechpartner ist Tobias Schott.