- Ratgeber – Wartung & Instandhaltung
Drehmomenttabelle für Schrauben: Anzugsmomente, Reibung, Flansch
Von Tobias Schott · Lesezeit ca. 26 Minuten · Stand: Oktober 2026
Eine Drehmomenttabelle liefert Richtwerte für das Anzugsmoment – was eine Schraubverbindung hält, ist aber die Vorspannkraft, und die hängt an Festigkeitsklasse, Reibung und Anziehverfahren.
Wer eine Drehmomenttabelle sucht, hat meist eine Schraube in der Hand und einen Schlüssel daneben. Die Frage ist einfach: Wie fest? Die Antwort ist es nicht ganz. Dieselbe Schraube M12 braucht je nach Festigkeitsklasse, Oberfläche und Schmierung ein anderes Moment. Wer den falschen Wert nimmt, hat eine Verbindung, die sich lockert – oder eine Schraube, die schon beim Anziehen überdehnt ist.
Dieser Ratgeber gibt Ihnen beides: die Tabelle und das Verständnis dafür. Sie finden Anzugsmomente Schrauben M4 bis M30 für die Festigkeitsklassen 8.8, 10.9 und 12.9, für zwei Reibungszahlen. Dazu erklären wir, wie Sie die Kopfprägung lesen, warum Schmierung den Wert verändert, woran Sie eine überdehnte Schraube erkennen und wie Flansche und Schraubensicherungen richtig behandelt werden.
Wie Sie eine Maschine aufstellen, ausrichten und mit Dübeln verankern, beschreibt unser Grundlagenartikel Maschine ausrichten und verankern. Hier geht es um die Schraubverbindung selbst.
Wir schreiben als mechanischer Montage- und Instandhaltungsbetrieb aus Rodgau bei Frankfurt. Wir ziehen selbst Schrauben an, an Maschinen, Stahlbau, Rohrleitungen und Kälteanlagen. Berechnen müssen sicherheitsrelevante Verbindungen aber Konstrukteur und Hersteller – das sagen wir an den passenden Stellen deutlich.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Anzugsmoment ist nur das Mittel – die Verbindung hält über die Vorspannkraft, mit der die Schraube die Bauteile zusammenpresst.
- Der weitaus größte Teil des Moments geht in Reibung im Gewinde und unter dem Kopf, deshalb ändert jede andere Reibung die Vorspannkraft.
- Die Festigkeitsklasse steht auf dem Schraubenkopf; die Mutter muss dazu passen.
- Die Werte der Drehmomenttabelle sind Richtwerte – maßgeblich sind Zeichnung, Konstruktionsvorgabe und Herstellerangabe.
- Eine geschmierte Schraube mit dem Tabellenwert für trockene Schrauben anzuziehen, überdehnt sie.
- Eine überdehnte Schraube wird getauscht, nie „noch mal nachgezogen“.
- Flansche werden über Kreuz in Stufen angezogen; die beste Schraubensicherung ist ausreichende Vorspannkraft, ein Lackstrich zeigt nur, ob sich etwas verdreht hat.
Was ist das Anzugsmoment – und warum zählt eigentlich die Vorspannkraft?
Das Anzugsmoment ist das Drehmoment, mit dem eine Schraube oder Mutter angezogen wird; es wird in Newtonmeter (Nm) angegeben und dient dazu, in der Schraube eine bestimmte Vorspannkraft zu erzeugen.
Die Vorspannkraft ist die Kraft, mit der die gedehnte Schraube die verschraubten Bauteile zusammenpresst. Eine Schraube wirkt dabei wie eine sehr steife Feder. Beim Anziehen wird sie minimal gelängt und will zurück. Diese Rückstellkraft klemmt die Bauteile. Fachleute sprechen von der Montagevorspannkraft, im Kurzzeichen FM.
Wohin das Moment geht
Von dem Moment, das Sie am Schlüssel aufbringen, kommt nur ein kleiner Teil in der Vorspannkraft an. Der weitaus größte Teil geht in Reibung: im Gewinde und unter dem Schraubenkopf oder der Mutter. Das ist der Grund, warum dieselbe Schraube mit demselben Moment ganz unterschiedlich fest sitzen kann. Ist das Gewinde geölt, wird mehr Moment zu Vorspannkraft. Ist es trocken oder verschmutzt, bleibt mehr in der Reibung hängen.
Die Gesamtreibungszahl µges fasst beide Reibungsanteile zu einer Zahl zusammen. Jede Drehmomenttabelle gilt deshalb nur für eine bestimmte Reibungszahl. Wer das übersieht, liest die richtige Zeile und nimmt trotzdem den falschen Wert.
Warum die Vorspannkraft die Verbindung hält
Eine gut vorgespannte Verbindung verhält sich wie ein Bauteil. Die Bauteile werden so fest zusammengepresst, dass sie unter Betriebslast nicht gegeneinander gleiten und die Trennfuge nicht aufgeht. Die Schraube selbst spürt dann nur einen kleinen Teil der wechselnden Last.
Fehlt Vorspannkraft, ändert sich das. Die Bauteile bewegen sich gegeneinander, die Schraube bekommt jede Lastschwankung voll ab und kann sich losdrehen oder brechen. Darum ist das Anzugsmoment Mittel zum Zweck. Das Ziel ist immer die richtige Vorspannkraft.
Festigkeitsklassen lesen: Was 8.8, 10.9 und 12.9 bedeuten
Die Festigkeitsklasse einer Stahlschraube steht als Zahlenpaar auf dem Kopf und gibt nach DIN EN ISO 898-1 an, welche Mindestzugfestigkeit und welche Mindeststreckgrenze der Werkstoff hat.
Die Regel ist einfach. Die erste Zahl mal 100 ergibt die Mindestzugfestigkeit in N/mm². Das Produkt beider Zahlen mal 10 ergibt die Mindeststreckgrenze in N/mm². Die Streckgrenze ist die Spannung, ab der sich die Schraube bleibend verformt.
| Festigkeitsklasse | Mindestzugfestigkeit | Mindeststreckgrenze |
|---|---|---|
| 8.8 | 800 N/mm² | 640 N/mm² |
| 10.9 | 1000 N/mm² | 900 N/mm² |
| 12.9 | 1200 N/mm² | 1080 N/mm² |
Klasse 8.8 ist der Standard im Maschinen- und Stahlbau. Die Klassen 10.9 und 12.9 heißen hochfest; sie stecken dort, wo hohe Klemmkräfte auf wenig Platz gebraucht werden.
Die Kopfprägung finden
Sechskantschrauben und Zylinderschrauben tragen die Festigkeitsklasse auf dem Kopf, meist zusammen mit dem Herstellerzeichen. Fehlt die Prägung, ist die Festigkeitsklasse Schrauben nicht sicher zuzuordnen. Dann gehört die Schraube nicht in eine tragende Verbindung, und die Tabelle hilft nicht weiter.
Die Mutter muss passen
Auch die Mutter hat eine Festigkeitsklasse, angegeben als einzelne Kennzahl. Sie muss mindestens der ersten Zahl der Schraubenklasse entsprechen. Eine weiche Mutter auf einer hochfesten Schraube streift beim Anziehen das Gewinde ab, lange bevor die Schraube ihre Vorspannkraft erreicht. Gleiches gilt für Unterlegscheiben: Unter hochfesten Schrauben braucht es ausreichend harte Scheiben, sonst drückt sich der Kopf ein und die Vorspannkraft geht verloren.
Was nicht in die Tabelle gehört
Schrauben der Festigkeitsklassen 4.6 oder 5.6 und Edelstahlschrauben, etwa A2 oder A4, haben andere, niedrigere Werte. Für sie gilt die Herstellerangabe oder der Normwert, nicht die Tabelle unten. Dasselbe gilt für Feingewinde, Sonderschrauben und Schrauben aus Aluminium oder Titan.
Drehmomenttabelle M4 bis M30 für 8.8, 10.9 und 12.9
Die Drehmomenttabelle unten nennt Richtwerte für das Anzugsmoment von Schrauben mit metrischem Regelgewinde in den Festigkeitsklassen 8.8, 10.9 und 12.9, bei einer Gesamtreibungszahl von 0,12 und in einer zweiten Tabelle von 0,14.
Die Werte gelten nach VDI 2230 (Ausgabe 2015) für metrisches Regelgewinde, Standard-Kopf- und Mutterauflage, mittlere Bohrung, 90 % Ausnutzung der Mindeststreckgrenze und eine Gesamtreibungszahl µges von 0,12; wir haben sie mit einer zweiten, unabhängigen Tabelle gegengeprüft.
Haupttabelle: Anzugsmomente in Nm bei µges 0,12
| Gewinde | 8.8 | 10.9 | 12.9 |
|---|---|---|---|
| M4 | 3,0 | 4,6 | 5,1 |
| M5 | 5,9 | 8,6 | 10,0 |
| M6 | 10,1 | 14,9 | 17,4 |
| M8 | 24,6 | 36,1 | 42,2 |
| M10 | 48 | 71 | 83 |
| M12 | 84 | 123 | 144 |
| M14 | 133 | 195 | 229 |
| M16 | 206 | 302 | 354 |
| M18 | 295 | 421 | 492 |
| M20 | 415 | 592 | 692 |
| M22 | 567 | 807 | 945 |
| M24 | 714 | 1017 | 1190 |
| M27 | 1050 | 1496 | 1750 |
| M30 | 1428 | 2033 | 2380 |
Richtwerte. Maßgeblich sind Zeichnung, Konstruktionsvorgabe und Herstellerangabe. Andere Reibungszahlen, Werkstoffe, Beschichtungen, Unterlegteile oder weiche Bauteile ändern den Wert. Sicherheitsrelevante Verbindungen werden nach VDI 2230 berechnet.
Schlüsseltoleranz einrechnen. Die Toleranz des Drehmomentschlüssels gehört in die Rechnung. Stellen Sie nie über den Tabellenwert hinaus ein – die Tabelle nennt schon die volle Ausnutzung. Wer sicher darunter bleiben will, zieht die zulässige Abweichung des Schlüssels vom Tabellenwert ab oder nimmt das Sollmoment mit Toleranz aus der Konstruktionsvorgabe.
So lesen Sie die Tabelle
Suchen Sie zuerst das Gewinde, dann die Festigkeitsklasse auf dem Kopf. Wer das Drehmoment M8 für eine Schraube der Klasse 8.8 sucht, liest 24,6 Nm ab. Das Drehmoment M10 in derselben Klasse liegt bei 48 Nm, das Drehmoment M12 bei 84 Nm. Für das Anzugsmoment 10.9 gehen Sie in die mittlere Spalte: Eine M12 der Klasse 10.9 kommt auf 123 Nm. Das Anzugsmoment 8.8 und das Anzugsmoment 10.9 liegen also deutlich auseinander – eine Verwechslung der Klasse ist ein häufiger Fehler.
Zweite Tabelle: Anzugsmomente in Nm bei µges 0,14
Die zweite Drehmoment Tabelle Schrauben gilt bei sonst gleichen Annahmen für eine Gesamtreibungszahl von 0,14.
| Gewinde | 8.8 | 10.9 | 12.9 |
|---|---|---|---|
| M4 | 3,3 | 4,8 | 5,6 |
| M5 | 6,5 | 9,5 | 11,2 |
| M6 | 11,3 | 16,5 | 19,3 |
| M8 | 27,3 | 40,1 | 46,9 |
| M10 | 54 | 79 | 93 |
| M12 | 93 | 137 | 160 |
| M14 | 148 | 218 | 255 |
| M16 | 230 | 338 | 395 |
| M18 | 329 | 469 | 549 |
| M20 | 464 | 661 | 773 |
| M22 | 634 | 904 | 1057 |
| M24 | 798 | 1136 | 1329 |
| M27 | 1176 | 1674 | 1959 |
| M30 | 1597 | 2274 | 2662 |
Auch hier gilt: Richtwerte, maßgeblich sind Zeichnung, Konstruktionsvorgabe und Herstellerangabe. Die höheren Werte gelten nur, wenn die Reibung wirklich so hoch ist. Wer sie auf eine Schraube mit niedrigerer Reibung anwendet, überdehnt sie.
Welche Toleranz ein Drehmomentschlüssel hat
Ein Drehmomentschlüssel darf nach DIN EN ISO 6789 im Bereich von 10 bis 1.000 Nm um ±4 % vom eingestellten Wert abweichen. Bei kleineren Schlüsseln sind ±6 % häufig. Kalibriert wird spätestens nach 12 Monaten oder 5.000 Lastwechseln, je nachdem, was zuerst eintritt – die Herstellerangabe kann davon abweichen. Wie Sie den Schlüssel einstellen, ansetzen und pflegen, erklärt unser Ratgeber Drehmomentschlüssel richtig benutzen. Nur so viel vorab: im rechten Winkel (90°) zum Hebel ziehen, gleichmäßig und ohne Ruck, und beim Auslösen sofort aufhören.
Reibung: geschmiert, trocken, beschichtet
Die Reibung entscheidet, wie viel Vorspannkraft aus einem Anzugsmoment wird: Bei niedriger Reibung erzeugt dasselbe Moment deutlich mehr Vorspannkraft, bei hoher Reibung deutlich weniger.
Die Reibungszahl hängt von vielen Dingen ab. Von der Oberfläche der Schraube, etwa blank, brüniert, phosphatiert, verzinkt oder mit Zinklamellenbeschichtung. Vom Schmierstoff, etwa Öl, Montagepaste oder Gleitlack. Von der Gegenlage, also lackierten, verzinkten oder blanken Bauteilen. Und davon, ob Schraube und Mutter neu sind oder schon einmal angezogen wurden.
Das Beispiel: gleiche Schraube, andere Reibung
Nehmen wir eine Schraube M12 der Klasse 8.8. Die Haupttabelle nennt für µges 0,12 ein Anzugsmoment von 84 Nm. Damit erreicht die Schraube eine Montagevorspannkraft von 43,0 kN – das ist die volle Ausnutzung, für die die Tabelle gerechnet ist.
Jetzt wird dieselbe Schraube mit Montagepaste geschmiert. Die Reibungszahl kann dadurch auf 0,08 sinken; wie weit, sagt das Datenblatt des Schmierstoffs. Für µges 0,08 nennt die Referenz nur 63 Nm, bei 45,2 kN Vorspannkraft. Mehr verträgt die Schraube bei dieser Reibung nicht.
Wer die geschmierte Schraube trotzdem mit 84 Nm anzieht, schiebt sie über diese Grenze hinaus. Das Moment, das sonst in der Reibung verschwunden wäre, geht jetzt in die Längung. Die Schraube wird überdehnt – und sieht dabei meist noch völlig normal aus.
| Gewinde und Klasse | Moment bei µges 0,12 | Vorspannkraft bei µges 0,12 | Moment bei µges 0,08 | Vorspannkraft bei µges 0,08 |
|---|---|---|---|---|
| M8, 8.8 | 24,6 Nm | 18,6 kN | 18,5 Nm | 19,5 kN |
| M8, 10.9 | 36,1 Nm | 27,3 kN | 27,2 Nm | 28,7 kN |
| M12, 8.8 | 84 Nm | 43,0 kN | 63 Nm | 45,2 kN |
| M12, 10.9 | 123 Nm | 63,2 kN | 92 Nm | 66,3 kN |
| M16, 8.8 | 206 Nm | 80,9 kN | 153 Nm | 84,7 kN |
| M16, 10.9 | 302 Nm | 118,8 kN | 224 Nm | 124,4 kN |
Auffällig: Bei niedriger Reibung darf die Schraube sogar etwas mehr Vorspannkraft tragen, weil weniger Verdrehung im Schaft steckt. Das Moment dafür ist aber viel niedriger. Für die Klasse 12.9 nennt die Referenz bei M12 übrigens 108 Nm bei µges 0,08 gegenüber 144 Nm bei µges 0,12.
Der umgekehrte Fall: trocken statt geschmiert
Der Fehler geht auch andersherum. Schreibt eine Vorgabe ein Moment für geschmierte Schrauben vor, etwa 63 Nm für eine M12 der Klasse 8.8 bei µges 0,08, und die Schraube wird trocken verbaut, bleibt die Vorspannkraft weit unter dem Ziel. Bei µges 0,12 braucht dieselbe Schraube 84 Nm für 43,0 kN. Mit 63 Nm bleibt sie deutlich darunter und kann sich im Betrieb lösen.
Welche Reibungszahl gilt?
Welche Reibungszahl für Ihre Schraube gilt, steht in der Konstruktionsvorgabe oder beim Hersteller der Schraube, der Beschichtung oder des Schmierstoffs. Beschichtete Schrauben mit eingebautem Schmiermittel haben oft eine definierte Reibungszahl im Datenblatt. Fehlt jede Angabe, fragen Sie nach, bevor Sie anziehen.
Für die Baustelle gilt eine einfache Regel: Ist die Vorgabe trocken, wird nicht geschmiert. Ist geschmiert vorgegeben, dann mit dem genannten Schmierstoff, auf Gewinde und Kopf- oder Mutterauflage. Und an einer Verbindung immer alle Schrauben gleich – nicht die Hälfte geölt und die andere Hälfte trocken.
Wann ist zu viel Drehmoment? Überdehnen erkennen
Zu viel Drehmoment ist erreicht, wenn die Schraube über ihre Streckgrenze gezogen wird und sich bleibend längt – sie hält dann weniger, nicht mehr, und muss getauscht werden.
Beim normalen Anziehen steigt das Moment gleichmäßig, je weiter Sie drehen. Kurz vor dem Überdehnen ändert sich das Gefühl. Typische Zeichen für eine Schraube, die überdreht wird:
- Die Schraube „wird weich“. Der Widerstand steigt nicht mehr, obwohl Sie weiterdrehen.
- Der Schlüssel löst nicht aus. Ein Auslöseschlüssel erreicht seinen Wert nicht, weil die Schraube nachgibt.
- Einschnürung. Am freien Gewinde oder Schaft zeigt sich eine Verjüngung.
- Gewinde gezogen. Die Mutter läuft beim Lösen schwer, die Steigung ist gestreckt.
- Gewinde abgestreift. Die Mutter dreht durch, das Gewinde ist abgeschert.
Was dann zu tun ist
Hören Sie sofort auf. Lösen Sie die Verbindung und tauschen Sie Schraube und Mutter. Eine Schraube, die einmal überdehnt war, hat ihre volle Vorspannkraft verloren und reißt unter Last früher. „Noch mal nachziehen“ macht es schlimmer, nicht besser.
Klären Sie danach die Ursache: falsche Reibung, falsche Festigkeitsklasse, falscher Wert, ein defekter Schlüssel oder ein weiches Bauteil. Bei Gewinden direkt im Bauteil wird auch das Innengewinde geprüft. Ob es nachgeschnitten oder mit einem Gewindeeinsatz instand gesetzt werden darf, entscheidet der Hersteller oder Konstrukteur.
Dehnschrauben und Schrauben mit Drehwinkel
Dehnschrauben haben einen bewusst dünneren Schaft und werden gezielt bis an oder in den Bereich bleibender Verformung angezogen. Dasselbe gilt oft für Schrauben, die drehwinkelgesteuert angezogen werden. Sie werden nicht wiederverwendet, außer der Hersteller erlaubt es ausdrücklich.
Angezogene Schrauben richtig kontrollieren
Eine angezogene Schraube lässt sich nicht einfach „mit dem Schlüssel nachprüfen“. Wer den Schlüssel auf das Sollmoment stellt und noch einmal ansetzt, misst etwas anderes: das Moment, ab dem sich die Schraube weiterdreht. Das kann über oder unter dem Anzugsmoment liegen, weil Haftreibung und Setzen den Wert verfälschen. Dreht sich die Schraube dabei weiter, wurde sie nachgezogen, nicht geprüft.
Für die Kontrolle im Alltag ist der Lackstrich das bessere Mittel. Ist er unterbrochen, wird die Verbindung gelöst, die Ursache geklärt und nach Vorgabe neu angezogen. Wie eine Kontrolle mit dem Schlüssel aussehen soll, legt im Zweifel der Hersteller fest.
Zu wenig Drehmoment ist genauso gefährlich
Zu wenig Moment fällt nur später auf. Nach dem Anziehen ebnen sich die Rauheitsspitzen in den Trennfugen ein, die Verbindung setzt sich. Dabei geht ein Teil der Vorspannkraft verloren – bei knapp angezogenen Schrauben zu viel. Dann gleiten die Bauteile unter Last quer zueinander, und die Schraube dreht sich selbsttätig los. Oder sie bekommt jede Lastschwankung ab und bricht irgendwann als Dauerbruch, oft ohne Vorwarnung.
Anziehverfahren: drehmomentgesteuert, drehwinkelgesteuert, streckgrenzgesteuert, hydraulisch
Das Anziehverfahren legt fest, über welche Größe die Vorspannkraft eingestellt wird – über das Moment, über einen Drehwinkel, über die Streckgrenze oder über eine hydraulisch erzeugte Längung.
Drehmomentgesteuertes Anziehen
Das drehmomentgesteuerte Anziehen ist das übliche Verfahren in Montage und Instandhaltung. Der Schlüssel misst das Moment, die Drehmomenttabelle oder die Vorgabe nennt den Wert. Das Verfahren ist einfach und braucht nur einen kalibrierten Schlüssel. Sein Nachteil: Die Vorspannkraft streut mit der Reibung, weil der Schlüssel nur das Moment kennt.
Drehwinkelgesteuertes Anziehen
Beim drehwinkelgesteuerten Anziehen wird die Schraube erst mit einem Fügemoment angelegt und dann um einen festgelegten Winkel weitergedreht. Der Winkel kommt immer vom Hersteller der Maschine oder des Bauteils, nie aus einer allgemeinen Tabelle. Weil die Schraube dabei meist bis in den Bereich bleibender Verformung gezogen wird, streut die Vorspannkraft weniger. Die Schraube ist danach in der Regel verbraucht.
Streckgrenzgesteuertes Anziehen
Beim streckgrenzgesteuerten Anziehen misst ein Schrauber Moment und Drehwinkel gleichzeitig. Er schaltet ab, sobald die Schraube zu fließen beginnt, also die Streckgrenze erreicht. Das Verfahren braucht eine elektronische Steuerung und findet sich vor allem in der Serienmontage.
Hydraulisches Spannen bei großen Schrauben
Bei großen Schrauben, etwa an großen Flanschen oder schweren Maschinenverbindungen, kommt hydraulisches Spannen zum Einsatz. Ein Spannzylinder zieht den Bolzen in Längsrichtung, die Mutter wird nur beigedreht. Die Schraube wird ohne Verdrehung und ohne Einfluss der Gewindereibung gelängt. Für große Momente gibt es außerdem hydraulische Drehmomentschrauber und Drehmomentvervielfältiger.
Mehrere Schrauben: Die Reihenfolge zählt
Wo mehrere Schrauben ein Bauteil halten, etwa an Lagerdeckeln, Fußplatten oder Getriebegehäusen, entscheidet auch die Reihenfolge. Erst werden alle Schrauben angelegt, dann wird über Kreuz oder von innen nach außen angezogen, bei großen Momenten in mehreren Durchgängen. So liegt das Bauteil gleichmäßig an und verspannt sich nicht. Wer eine Schraube nach der anderen gleich auf vollen Wert zieht, verzieht das Bauteil – und die zuerst angezogenen Schrauben verlieren wieder Vorspannkraft. Gibt der Hersteller ein Anziehschema vor, gilt dieses.
Welches Verfahren wann?
Welches Verfahren gilt, bestimmt die Konstruktion. In der Instandhaltung ist das drehmomentgesteuerte Anziehen der Normalfall. Schreibt der Hersteller einen Drehwinkel vor, wird nach Drehwinkel angezogen. Hydraulisches Spannen kommt bei großen, kritischen Verbindungen, wenn der Hersteller es vorsieht.
Flanschverbindungen: Die Dichtung bestimmt das Moment
Bei einer Flanschverbindung bestimmt die Dichtung das Anzugsmoment – das Drehmoment Flansch kommt aus der Herstellerangabe der Dichtung oder der Rohrleitungsspezifikation, nicht aus der allgemeinen Schraubentabelle.
Eine Dichtung braucht eine bestimmte Flächenpressung, um dicht zu sein. Zu wenig, und das Medium findet einen Weg. Zu viel, und die Dichtung wird zerquetscht oder fließt weg. Die Schrauben sind dabei nur das Werkzeug, um diese Pressung gleichmäßig aufzubringen.
Vorbereitung
Vor dem Anziehen stimmt die Grundlage. Die Flansche fluchten und liegen parallel; eine versetzte Rohrleitung wird nicht mit den Schrauben zusammengezogen. Die Dichtflächen sind sauber und unbeschädigt. Die Dichtung ist neu – gebrauchte Dichtungen werden nicht wiederverwendet.
Schrauben, Muttern und Scheiben sind an einem Flansch gleich. Die Schraubenköpfe zeigen nach Möglichkeit auf eine Seite; das erleichtert Anziehen und Kontrolle. Gewinde und Mutterauflage werden dünn geschmiert, wenn die Vorgabe das vorsieht. Auf die Dichtung selbst kommen keine Pasten oder Fette, außer der Dichtungshersteller verlangt es.
Anziehen über Kreuz in Stufen
Zuerst werden alle Schrauben von Hand gleichmäßig angelegt. Dann wird über Kreuz in Stufen angezogen. Der Leitfaden der chemischen Industrie zur Montage von Flanschverbindungen (Ausgabe März 2016) nennt dafür diese Folge:
- Erste Runde über Kreuz mit 30 % des Sollmoments.
- Zweite Runde über Kreuz mit 60 % des Sollmoments.
- Dritte Runde über Kreuz mit 100 % des Sollmoments.
- Umlaufendes Nachziehen mit 100 %, Schraube für Schraube im Kreis, bis sich keine Mutter mehr weiterdreht.
Über Kreuz heißt: Auf eine Schraube folgt die gegenüberliegende. So legt sich der Flansch gleichmäßig an, statt einseitig zu kippen.
Kontrolle nach dem Setzen
Dichtungen setzen sich nach dem Anziehen, die Vorspannkraft sinkt. Deshalb werden die Anzugsmomente einer Flanschverbindung erst nach einer Wartezeit kontrolliert, laut Leitfaden frühestens nach 4 Stunden. Ob und wie nachgezogen wird, legt die Vorgabe fest.
Qualifikation und Prüfung
Für die Montage von Schraubverbindungen an druckbeaufschlagten Anlagen beschreibt DIN EN 1591-4 die Qualifizierung des Montagepersonals. Die Richtlinie VDI 2290 behandelt Kennwerte für dichte Flanschverbindungen. Ob Ihr Betrieb eine solche Qualifikation verlangt, steht in Ihren Vorgaben.
Wir verschrauben Flanschverbindungen an Rohrleitungen und Kälteanlagen nach der Vorgabe des Herstellers und dokumentieren die Momente. Die Druck- und Dichtheitsprüfung einer Kälteanlage oder eines Druckgeräts übernimmt der Kälte-Fachbetrieb oder die zur Prüfung befähigte Person. Welche Prüfungen Ihnen als Betreiber obliegen, beschreibt unser Ratgeber zu den Prüfpflichten für Betreiber. Wie Kältetechnik im laufenden Rechenzentrum getauscht wird, zeigt der Ratgeber zum Chiller-Tausch im Rechenzentrum.
Schraubensicherung richtig einsetzen
Die beste Schraubensicherung ist eine ausreichende Vorspannkraft – zusätzliche Sicherungsmittel ergänzen sie dort, wo Querbewegungen oder Vibrationen die Verbindung trotzdem lockern könnten.
Wer zur Sicherung greift, sollte zwei Dinge unterscheiden. Eine Losdrehsicherung verhindert, dass sich die Schraube überhaupt losdreht. Eine Verliersicherung verhindert nur, dass Schraube oder Mutter abfallen, wenn sich die Verbindung schon gelockert hat.
Flüssige Schraubensicherung
Flüssige Schraubensicherung ist ein Klebstoff, der im Gewinde unter Luftabschluss aushärtet. Sie wirkt als Losdrehsicherung. Aufgetragen wird sie vor dem Anziehen auf das gereinigte und entfettete Gewinde – nicht danach. Nachträglich aufgetragen, erreicht sie das Gewinde nicht.
Die Festigkeit wählen Sie nach der Lösbarkeit: niedrigfest für Verbindungen, die regelmäßig gelöst werden, mittelfest für den Normalfall, hochfest für Verbindungen, die nur mit Wärme wieder aufgehen sollen. Die Aushärtezeit steht beim Hersteller; vorher wird die Verbindung nicht belastet. Wichtig: Auch flüssige Sicherung verändert die Reibung. Welches Moment dann gilt, sagt der Hersteller des Klebstoffs oder die Konstruktionsvorgabe.
Mechanische Sicherungen
- Keilsicherungsscheiben-Paare bestehen aus zwei Scheiben mit Keilflächen innen und Rippen außen. Sie wirken als Losdrehsicherung, auch bei hochfesten Schrauben.
- Klemmteil-Muttern haben einen Klemmring oder eine verformte Zone, die im Gewinde klemmt. Sie wirken als Verliersicherung.
- Kronenmutter mit Splint sichert formschlüssig gegen Verlieren, etwa an Bolzen und Achsen.
- Sicherungsblech wird an Schraubenkopf oder Mutter umgebogen und sichert gegen Verdrehen und Verlieren.
- Sicherungsdraht verbindet mehrere Schraubenköpfe so, dass sich keiner allein losdrehen kann.
Federringe, Zahnscheiben, Fächerscheiben
Federringe, Zahnscheiben und Fächerscheiben finden sich noch in vielen Schubladen. Die zugehörigen DIN-Normen sind zurückgezogen. Bei hochfesten Schrauben wirken sie als Losdrehsicherung nicht. Ersetzen Sie sie bei der Instandsetzung durch ein geeignetes Sicherungsmittel nach Vorgabe.
Lack als Kontrollmarkierung
Ein Lackstrich ist eine Kontrollmarkierung, keine Sicherung. Er wird nach dem Anziehen als durchgehender Strich über Schraube oder Mutter, Scheibe und Bauteil gezogen. Verdreht sich später etwas, ist der Strich unterbrochen – das sehen Sie bei jeder Begehung auf einen Blick.
Der Strich zeigt außerdem, dass diese Schraube angezogen wurde. Gerade bei vielen gleichen Verbindungen verhindert das, dass eine ausgelassen wird. Wir markieren angezogene Schrauben mit Lack. Halten wird die Verbindung aber nur durch ihre Vorspannkraft.
Typische Fehler beim Arbeiten mit der Drehmomenttabelle
Die typischen Fehler beim Arbeiten mit der Drehmomenttabelle sind falsche Reibungsannahme, falsche Festigkeitsklasse, Werte für Dübel aus der Schraubentabelle und ungeprüfte Schlüssel.
- Geschmiert mit Trockenwert. Die Schraube wird überdehnt, ohne dass man es sieht.
- Klasse verwechselt. Der Wert für 10.9 landet auf einer 8.8.
- Tabelle statt Vorgabe. Zeichnung und Herstellerangabe werden übergangen.
- Dübel nach Schraubentabelle. Für Dübel und Anker gilt die Montageanweisung des Dübelherstellers.
- Flansch nicht über Kreuz. Die Dichtung wird einseitig gepresst und bleibt undicht.
- Sicherung nach dem Anziehen. Die flüssige Schraubensicherung erreicht das Gewinde nicht.
- Ungeprüfter Schlüssel. Ein Schlüssel nach einem Sturz oder ohne Kalibrierung zeigt einen anderen Wert.
- Kein Protokoll. Später weiß niemand, mit welchem Moment angezogen wurde.
Warum diese Fehler so häufig sind
Fast alle Fehler entstehen, weil die Tabelle als Antwort gelesen wird statt als Hilfsmittel. Wer vor dem Anziehen drei Fragen stellt – welche Klasse, welche Reibung, welche Vorgabe? –, vermeidet die meisten davon.
Drehmomenttabelle im Rhein-Main-Gebiet: So arbeiten wir
Im Rhein-Main-Gebiet ziehen wir Schraubverbindungen an Maschinen, Stahlbau, Rohrleitungen und Kälteanlagen mit regelmäßig kalibrierten Drehmomentschlüsseln an und halten die Momente im Montage- oder Wartungsprotokoll fest.
Die Drehmomenttabelle nutzen wir als Gegenprobe, nicht als Ersatz für die Vorgabe. Vor dem Anziehen klären wir Zeichnung, Herstellerangabe und Reibungsannahme. Flanschverbindungen ziehen wir über Kreuz in Stufen an. Angezogene Schrauben markieren wir mit einem Lackstrich, damit Sie später sehen, ob sich etwas bewegt hat.
Von unserer Werkstatt in Rodgau aus sind Frankfurt, Offenbach, Hanau, Darmstadt und Aschaffenburg kurze Wege. Was wir in der Industriemontage im Bestand übernehmen, zeigt unsere Leistungsseite.
Was wir nicht übernehmen, sagen wir vorher. Die Berechnung einer Schraubverbindung nach der Richtlinie macht der Konstrukteur oder Hersteller. Druck- und Dichtheitsprüfungen machen der Fachbetrieb oder die befähigte Person, die Statik der Tragwerksplaner, die Elektrik der Elektrofachbetrieb. Wir sorgen dafür, dass die Schraube so angezogen ist, wie es vorgegeben ist – und dass das nachvollziehbar dokumentiert ist.
So machen wir das in der Praxis
Vier Einsätze aus unserem Auftragstagebuch zeigen, wo Verschraubungen über das Ergebnis entscheiden. Ehrlich vorweg: Keiner dieser Berichte nennt Schraubengrößen oder Anzugsmomente. Sie zeigen, an welchen Stellen die Schraubverbindung der letzte und entscheidende Handgriff ist.
Rechenzentrum in Offenbach: Silencer und Flanschverbindung
Beim Einbau von Turbo-Silencern in einem Rechenzentrum in Offenbach haben wir zuerst Grundgestelle über den Generatoren montiert. Darauf wurden die Silencer gehoben, ausgerichtet und fest verschraubt. Danach folgten Ansaugfilter, Verrohrung und Schwingungsentkopplung. Die Edelstahl-Verrohrung ist am Silencer über eine verschraubte Flanschverbindung angeschlossen, Gummimanschetten entkoppeln die Turbolader mechanisch. Zum Abschluss liefen die Generatoren beim Leistungstest unter Volllast, mit Lautstärkemessung.
Für Ihre Verbindungen heißt das: Eine Flanschverbindung an einer vibrierenden Anlage braucht gleichmäßige Pressung – über Kreuz, in Stufen, nach Vorgabe.
Produktionshalle am Flughafen Kassel: Stahlbühne verschrauben
Beim Aufbau einer Stahlbühne in einer Produktionshalle am Flughafen Kassel wurde die Halle zuerst per Laser vermessen. Die Stützen des ersten Feldes standen, bevor es weiterging, und die Diagonalmaße stimmten. Bei der Verschraubung der Profile und Träger kam es auf saubere Übergänge und passende Höhen an, damit der Bodenbelag ohne große Fugen liegt. Geländerhalter gehören an tragende Stahlprofile.
Für Ihre Verbindungen heißt das: Im Stahlbau wird erst ausgerichtet, dann endgültig angezogen. Was beim Planen einer Bühne zu beachten ist, beschreibt unser Ratgeber Stahlbühne planen.
Rechenzentrum in Raunheim: verschraubt, dann freigegeben
Beim Einsetzen von Dieseltanks für ein Rechenzentrum in Raunheim wurde jeder Tank mit dem Mobilkran in die Grube gehoben, abgesetzt und ausgerichtet. Am Ende lagen alle Tanks lagerichtig, waren verschraubt und wurden zum Befüllen freigegeben.
Für Ihre Verbindungen heißt das: Die Verschraubung steht zwischen Ausrichten und Freigabe. Erst wenn sie vollständig ist, darf die Anlage in Betrieb.
Produktionsbetrieb bei Offenbach: Anker statt Schraube
Für einen Rammschutz als Sonderanfertigung bei Offenbach haben wir den Rahmen in unserer Werkstatt in Rodgau geschweißt und vor Ort auf einer Bodenschiene montiert, die mit Schwerlastankern im Boden verankert ist. Danach wurde grundiert und in Signalgelb lackiert.
Für Ihre Verbindungen heißt das: Bei Dübeln und Schwerlastankern gilt das Moment aus der Montageanweisung des Dübelherstellers, nicht die Schraubentabelle.
Sie haben Schraubverbindungen, die nach Vorgabe angezogen werden sollen?
Dann sprechen Sie uns an. Schicken Sie uns Zeichnung oder Herstellerangabe und eine Beschreibung der Verbindungen. Wir klären vorab, welche Werte gelten, und dokumentieren jedes Moment.
Was das für Ihre Rolle bedeutet
Für Einkäufer: Bestellen Sie Schrauben, Muttern und Scheiben mit Festigkeitsklasse, Oberfläche und gegebenenfalls Reibungszahl, nicht nur mit Gewinde und Länge. Verlangen Sie vom Montagebetrieb ein Anzugsprotokoll und den Nachweis kalibrierter Schlüssel. Ein Angebot ohne Protokoll ist für tragende Verbindungen unvollständig.
Für Planer: Schreiben Sie das Sollmoment mit Toleranz, die Reibungsannahme und das Anziehverfahren in Zeichnung oder Montageanweisung. Ohne Reibungsangabe ist jedes Moment eine Vermutung. Planen Sie Zugang für den Schlüssel ein – mehr dazu in unserem Ratgeber zur instandhaltungsgerechten Montage.
Für Projektleiter und Bauleiter: Als Projektleiter legen Sie fest, welche Verbindungen protokolliert werden und wer die Vorgabe liefert. Als Bauleiter prüfen Sie vor Ort Kopfprägung, Schmierung und Schlüssel, nehmen das Anzugsprotokoll ab und achten auf den Lackstrich. Das Protokoll gehört zur Übergabe, wie sie unser Ratgeber zu Inbetriebnahme und Übergabe beschreibt.
Für Instandhaltungsleiter: Nehmen Sie die Sichtkontrolle der Lackstriche an kritischen Verbindungen in den Wartungsplan auf. Halten Sie Sollmomente je Baugruppe fest und ersetzen Sie überdehnte, wiederverwendete oder ungekennzeichnete Schrauben. Führen Sie Ihre Drehmomentschlüssel als Prüfmittel mit Kalibrierdatum.
Für Sicherheitsfachkräfte und HSE-Koordinatoren: Sicherheitsrelevante Schraubverbindungen – an Hebezeugen, Bühnen, Druckgeräten – gehören in die Gefährdungsbeurteilung. Achten Sie darauf, dass Momente aus der Vorgabe kommen, Schlüssel kalibriert sind und jede Verbindung nachvollziehbar dokumentiert ist.
Anzugsprotokoll Schraubverbindungen: Vorlage zum Anfordern
Das Anzugsprotokoll Schraubverbindungen ist eine einseitige Vorlage, mit der Sie jede angezogene Verbindung nachvollziehbar festhalten. Je Verbindung gibt es eine Zeile mit Verbindung oder Bauteil, Gewinde, Festigkeitsklasse, Reibungsannahme oder Schmierung, Sollmoment und Quelle des Sollmoments. Dazu kommen Schlüssel-Nummer mit Kalibrierdatum, Monteur, Datum und Markierung. Momente sind bewusst nicht vorgedruckt – sie kommen aus Ihrer Vorgabe. Fordern Sie die Vorlage über unser Kontaktformular an – Stichwort „Anzugsprotokoll“.
Warum Omega Mounting?
Wir sitzen in Rodgau bei Frankfurt, sind telefonisch (Mo–Fr 9–15 Uhr) und per WhatsApp erreichbar und haben eine eigene Werkstatt. Wir arbeiten mit regelmäßig kalibrierten Drehmomentschlüsseln, halten Anzugsmomente im Protokoll fest und markieren angezogene Schrauben mit Lack. Die verlinkten Einsätze zeigen, wo Verschraubungen über das Ergebnis entscheiden: an Silencern und Flanschen in Offenbach, an einer Stahlbühne in Kassel, an Tanks in Raunheim. Für Sie heißt das: ein Ansprechpartner für Montage, Verschraubung und Dokumentation – mit kurzen Wegen im Rhein-Main-Gebiet.
Fazit
Eine Drehmomenttabelle ist ein gutes Werkzeug, wenn Sie wissen, wofür sie gilt. Sie nennt Richtwerte für eine Reibungszahl und eine Festigkeitsklasse; maßgeblich bleiben Zeichnung, Konstruktionsvorgabe und Herstellerangabe. Prüfen Sie vor dem Anziehen Kopfprägung und Schmierung, rechnen Sie die Schlüsseltoleranz ein und tauschen Sie überdehnte Schrauben. Flansche ziehen Sie über Kreuz in Stufen an, Schraubensicherung kommt vor dem Anziehen aufs Gewinde, und der Lackstrich zeigt, ob sich etwas bewegt. Wenn Sie Verbindungen nach Vorgabe anziehen und dokumentieren lassen wollen, schicken Sie uns Zeichnung oder Herstellerangabe – wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung.
Weiterlesen: Den Schlüssel richtig einstellen, ansetzen und kalibrieren: Drehmomentschlüssel richtig benutzen.
Sie planen Wartung, Einbringung oder Montage im Rhein-Main-Gebiet?
Erzählen Sie uns kurz, worum es geht – wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung zurück.
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Über den Autor
Tobias Schott
Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung
Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Ratgeber hier schreibt er aus dieser Praxis: Was auf unseren Baustellen funktioniert, steht drin – was nur in der Norm steht, nicht.
Häufig gestellte Fragen
Das hängt von Gewinde, Festigkeitsklasse und Reibung ab. Maßgeblich ist zuerst die Vorgabe aus Zeichnung oder Herstellerangabe. Fehlt sie, gibt die Drehmomenttabelle Richtwerte: Eine M10 der Klasse 8.8 kommt bei µges 0,12 auf 48 Nm, eine M12 der Klasse 10.9 auf 123 Nm. Sicherheitsrelevante Verbindungen werden berechnet, nicht aus der Tabelle genommen.
Nein. Die Tabelle gilt für Stahlschrauben der Festigkeitsklassen 8.8, 10.9 und 12.9. Edelstahlschrauben, etwa A2 oder A4, haben andere, niedrigere Werte. Dasselbe gilt für die Klassen 4.6 und 5.6. Für sie gilt die Herstellerangabe oder der Normwert.
Sie wird überdehnt. Eine M12 der Klasse 8.8 verträgt bei µges 0,08 nur 63 Nm. Mit den 84 Nm aus der Haupttabelle für µges 0,12 wird sie über ihre Grenze gezogen. Von außen sieht man das meist nicht – die Schraube hält unter Last aber weniger und muss getauscht werden.
Nein. Eine überdehnte Schraube hat sich bleibend gelängt und erreicht ihre Vorspannkraft nicht mehr. Sie wird zusammen mit der Mutter getauscht. Dehnschrauben und drehwinkelgesteuert angezogene Schrauben werden ebenfalls nicht wiederverwendet, außer der Hersteller erlaubt es ausdrücklich.
Mit dem Moment aus der Herstellerangabe der Dichtung oder der Rohrleitungsspezifikation – nicht aus der allgemeinen Schraubentabelle. Angezogen wird über Kreuz in Stufen mit 30 %, 60 % und 100 % des Sollmoments, danach umlaufend nachgezogen. Kontrolliert wird nach dem Setzen der Dichtung, frühestens nach 4 Stunden.
Vor dem Anziehen, auf das gereinigte und entfettete Gewinde. Nachträglich aufgetragen erreicht flüssige Schraubensicherung das Gewinde nicht. Wählen Sie die Festigkeit nach der Lösbarkeit und beachten Sie die Aushärtezeit. Weil die Sicherung die Reibung verändert, gilt das Moment aus der Herstellerangabe.
Er zeigt, ob sich eine Verbindung verdreht hat, und dass sie angezogen wurde. Der Strich läuft über Schraube oder Mutter, Scheibe und Bauteil; ist er unterbrochen, hat sich etwas bewegt. Er ist eine Kontrollmarkierung, keine Sicherung – halten muss die Vorspannkraft.
Für den mechanischen Teil sind Montage- und Instandhaltungsbetriebe aus der Region der kürzeste Weg. Von Rodgau aus arbeiten wir in Frankfurt, Offenbach, Hanau, Darmstadt und Aschaffenburg mit kalibrierten Schlüsseln und Anzugsprotokoll. Berechnung, Druckprüfung und Elektrik bleiben bei den zuständigen Partnern.
Über eine kurze Anfrage mit drei Angaben: welche Anlage oder Baugruppe, welche Verbindungen mit Gewinde und Festigkeitsklasse und welche Vorgabe – Zeichnung, Herstellerangabe oder Rohrleitungsspezifikation. Wir sehen uns die Verbindungen bei Bedarf vor Ort an und schicken eine schriftliche Einschätzung mit Ablauf und Protokollform. Ansprechpartner ist Tobias Schott – erreichbar über unser Kontaktformular.