Instandhaltung nach DIN 31051: Warum Wartung keine Reparatur ist

Von Tobias Schott  ·  Lesezeit ca. 7 Minuten  ·  Stand: November 2026

Wartung Elektrohängebahn Frankfurt
Instandsetzung nach Befund: Unser Team demontiert eine Weiche der Elektrohängebahn und stellt sie neu ein.

Instandhaltung ist der Oberbegriff für alles, was eine Anlage funktionsfähig hält oder wieder funktionsfähig macht – und sie besteht aus vier Grundmaßnahmen, die im Alltag ständig verwechselt werden.

Instandhaltung nach DIN 31051 begegnet Ihnen im Wartungsvertrag, im Leistungsverzeichnis, im Instandhaltungsplan und in jeder Besprechung vor einem Stillstand. Gesagt wird dabei fast immer „Wartung“ – egal, ob jemand Fett nachfüllt, eine Weiche begutachtet oder ein Lager tauscht. Solange alle dasselbe meinen, ist das kein Problem. Zum Problem wird es, wenn ein Angebot „Wartung“ verspricht und der Auftraggeber eine Reparatur erwartet.

Dieser Beitrag erklärt, was die Norm unter Instandhaltung versteht, was die vier Grundmaßnahmen trennt und warum der Abnutzungsvorrat der Schlüssel zu allem ist. Dazu kommt ein kurzer Überblick über die vier Instandhaltungsstrategien, die oft in einem Atemzug genannt werden. Welche Strategie zu Ihrer Anlage passt, steht im Ratgeber zur Instandhaltungsstrategie.

Was ist Instandhaltung nach DIN 31051?

Instandhaltung ist nach DIN 31051 die Gesamtheit der technischen, administrativen und organisatorischen Maßnahmen, die eine Einheit während ihres Lebenszyklus funktionsfähig halten oder in diesen Zustand zurückführen. Die Norm gliedert diese Maßnahmen in vier Grundmaßnahmen: Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung. „Einheit“ kann dabei alles sein – ein Bolzen, eine Weiche, eine ganze Förderanlage.

Wichtig ist das Wort „Oberbegriff“. Wartung ist ein Teil der Instandhaltung, nicht ihr Synonym. Die Fachbegriffe sind europäisch abgestimmt: Das Gegenstück auf europäischer Ebene ist die Terminologienorm EN 13306. Auf Englisch heißt Instandhaltung „maintenance“ – und genau dort beginnt ein Teil der Verwechslungen.

Steckbrief

Bolzen der Elektrohängebahn wird mit dem Messschieber vermessen
Inspektion heißt messen statt vermuten: Der Befund am gezogenen Bolzen entscheidet, ob Wartung genügt oder instand gesetzt werden muss.

Wartung, Inspektion, Instandsetzung, Verbesserung: was wirklich was ist

Die vier Grundmaßnahmen unterscheiden sich durch ihr Ziel: Wartung bremst den Verschleiß, Inspektion stellt den Zustand fest, Instandsetzung stellt die Funktion wieder her, Verbesserung macht die Anlage zuverlässiger, sicherer oder leichter instand zu halten. Keine Maßnahme ersetzt eine andere. Wer nur schmiert, weiß nicht, wie es um das Bauteil steht. Wer nur inspiziert, hat einen Befund, aber noch keine funktionierende Anlage.

MaßnahmeZielTypische TätigkeitBeispiel aus unserer Arbeit
WartungDen Abbau des Abnutzungsvorrats verzögern.Schmieren, reinigen, nachstellen, Betriebsstoffe ergänzen, Kleinteile wechseln.Bewegte Bolzenverbindungen an Gehängen einer Elektrohängebahn schmieren und kontrollieren – auch dort, wo sie als wartungsfrei gelten.
InspektionDen Ist-Zustand feststellen und beurteilen, die Ursache der Abnutzung finden.Sichtprüfen, messen, ein Musterteil ziehen, Befund dokumentieren.Bestandsaufnahme an rund 100 Weichen einer Elektrohängebahn, jede Weiche erfasst und bewertet.
InstandsetzungEine fehlerhafte Einheit in den funktionsfähigen Zustand zurückführen.Teile tauschen, schweißen, ausrichten, einstellen, Funktion kontrollieren.Lauf- und Führungsrollen getauscht, Endlagen justiert, abgerissene Halter geschweißt; ein Lüfterlager in einer Lackieranlage gewechselt.
VerbesserungZuverlässigkeit, Instandhaltbarkeit oder Sicherheit steigern, ohne die ursprüngliche Funktion zu ändern.Schwachstelle beseitigen, Schutz oder Zugang nachrüsten.Einen Anfahrschutz vor einer Anlage nachrüsten oder eine Wartungsbühne ergänzen, damit Bauteile sicher erreichbar sind.

In der Praxis kommt die Inspektion fast immer zuerst. Erst der Befund sagt, ob Wartung genügt oder instand gesetzt werden muss. Ältere Fassungen der Norm kannten übrigens nur drei Grundmaßnahmen; die Verbesserung kam später hinzu. Deshalb finden Sie in älteren Verträgen oft nur die Dreiteilung.

Was ist der Abnutzungsvorrat?

Erklärgrafik: Instandhaltung DIN 31051 – Abnutzungsvorrat bis zur Abnutzungsgrenze und die Wirkung von Wartung, Inspektion, Instandsetzung und Verbesserung
Ein Vorrat, vier Maßnahmen: Wartung bremst den Abbau, Inspektion misst ihn, Instandsetzung füllt ihn auf, Verbesserung vergrößert ihn. Grafik: Omega Mounting

Der Abnutzungsvorrat ist der Vorrat an möglicher Funktionserfüllung, den ein Bauteil durch Herstellung, Instandsetzung oder Verbesserung mitbekommt und der durch die Nutzung abgebaut wird. Ein Bild macht das greifbar: Ein neuer Bolzen hat seinen vollen Durchmesser. Jede Schwenkbewegung unter Last trägt ein wenig Material ab, erst unmerklich, dann schneller, sobald die Schmierung fehlt.

Die Abnutzungsgrenze ist der festgelegte Mindestwert dieses Vorrats. Ist sie erreicht, ist die Funktion nicht mehr sicher gegeben, und das Bauteil muss instand gesetzt oder getauscht werden. Wo die Grenze liegt, geben Hersteller oder Norm vor. Bei Anschlagmitteln heißt dieser Punkt Ablegereife.

Mit dem Abnutzungsvorrat lassen sich alle vier Grundmaßnahmen in je einem Satz erklären:

Wie schnell ein Vorrat verbraucht sein kann, zeigt ein gezogener Bolzen aus einer Elektrohängebahn: Die Schmierung war praktisch nicht mehr vorhanden, Bolzen und Buchse waren eingelaufen. Der Vorrat war aufgebraucht, lange bevor jemand nachsah.

Maßnahmen und Strategien: Was ist der Unterschied?

Die vier Grundmaßnahmen sagen, was an einer Anlage getan wird; die Instandhaltungsstrategie sagt, wann und aus welchem Anlass es getan wird. Beides wird oft vermischt, weil in beiden Listen vier Begriffe stehen. Eine Strategie kombiniert die Maßnahmen nur unterschiedlich: Mal löst der Ausfall die Instandsetzung aus, mal der Kalender die Wartung, mal ein Messwert die Inspektion.

StrategieWas sie auslöstWie sie arbeitetWann sie passt
Reaktiv (korrektiv)Der Ausfall.Instandsetzung erst, wenn ein Fehler aufgetreten ist – auch „Run-to-Failure“ genannt.Bei Einheiten, deren Ausfall wenig Folgen hat und die schnell zu ersetzen sind.
Präventiv (vorbeugend)Ein festes Intervall nach Zeit, Betriebsstunden oder Lastspielen.Wartung und Tausch nach Plan, unabhängig vom tatsächlichen Zustand.Bei bekannten Verschleißteilen und dort, wo Hersteller oder Prüfpflicht ein Intervall vorgeben.
ZustandsorientiertDer Befund einer Inspektion oder Messung.Instandsetzung erst, wenn der Zustand es verlangt – der Abnutzungsvorrat wird genutzt, aber nicht überzogen.Bei Bauteilen, deren Verschleiß sich messen oder sehen lässt, etwa Kettenlängung, Lagertemperatur oder Spiel.
Prädiktiv (vorausschauend)Der Verlauf von Messdaten über die Zeit.Aus dem Trend wird abgeschätzt, wann die Abnutzungsgrenze erreicht ist, und der Eingriff in ein Stillstandsfenster gelegt.Bei kritischen Anlagen mit hohen Ausfallfolgen und messbaren Kenngrößen, etwa Schwingung oder Temperatur.

In der europäischen Terminologie heißen die Gruppen korrektive und präventive Instandhaltung; die zustandsorientierte und die vorausschauende Instandhaltung sind Formen der präventiven. Kein Betrieb fährt nur eine Strategie. Welche Anlage nach welcher Strategie läuft, entscheidet die Ausfallfolge – das ordnet die risikobasierte Instandhaltung ein. Was Sensoren für die vorausschauende Instandhaltung in einem mittelständischen Betrieb wirklich bringen, beschreibt der Ratgeber Predictive Maintenance im Mittelstand.

Warum „Wartung“ im Alltag fast alles heißt

Umgangssprachlich steht „Wartung“ für jede Arbeit an einer Anlage – das ist der häufigste Grund für Missverständnisse zwischen Betreiber und Dienstleister. Fünf Verwechslungen begegnen uns immer wieder:

Für Angebot, Wartungsvertrag und Leistungsverzeichnis heißt das: Schreiben Sie die Grundmaßnahmen einzeln hinein. Legen Sie fest, ob Instandsetzung enthalten ist, nach Aufwand abgerechnet wird oder ein eigenes Angebot braucht. Wie Sie Vertrag und Einzelauftrag abwägen, steht im Ratgeber Wartungsvertrag oder Einzelauftrag. Das ist keine Rechtsberatung, sondern ein Hinweis auf saubere Begriffe.

Eine Grenze hat die Instandhaltung: Wer die Funktion einer Maschine ändert, verbessert nicht mehr, sondern baut um. Ob dabei eine wesentliche Veränderung einer Maschine entsteht, ist eine eigene Frage mit eigenen Pflichten.

Worauf wir achten

Wir sagen in jedem Angebot, welche der vier Grundmaßnahmen wir übernehmen – damit Sie wissen, was Sie bekommen.

Lagerstelle im EHB-Gehänge nach dem Einsetzen des neuen Bolzens
Instandsetzung abgeschlossen: Mit neuem Bolzen und neuer Buchse ist der Abnutzungsvorrat der Lagerstelle wieder aufgefüllt.

Wo wir das einsetzen

Bei uns im Rhein-Main-Gebiet ist Instandhaltung fast immer Arbeit im Stillstandsfenster. Bei der Wartung einer rund 30 Jahre alten Elektrohängebahn in Frankfurt stand am Anfang eine Bestandsaufnahme aller rund 100 Weichen. Danach setzten vier Techniker je Wochenende Rollen, Weichenschuhe und Endlagen instand, teils in rund 36 Stunden zwischen Produktionsende und Wiederanlauf. Bei den eingelaufenen EHB-Bolzen in einem Lebensmittelbetrieb zeigte ein einziger gezogener Bolzen, dass die vermeintlich wartungsfreie Verbindung trocken lief. Zwei bis drei Monteure tauschten Bolzen und Buchsen an 80 Fahrzeugen, zehn bis 15 je Wochenende. Beide Aufträge gehören zu unserer Wartung und Instandhaltung.

Mehr Wissenswertes

Wissenswertes

die Anlage, an der sich alle vier Grundmaßnahmen zeigen lassen.

Wissenswertes

die Abnutzungsgrenze, übertragen auf Anschlagmittel und Schutzausrüstung.

Ratgeber

der Ratgeber, wenn Sie festlegen, welche Maßnahme wann an welche Anlage gehört.

Sie brauchen Monteure, die genau das kennen?

Sie planen ein Projekt, in dem Wartung, Inspektion und Instandsetzung getrennt ausgeschrieben sind, und brauchen Monteure, die den Unterschied kennen? Wir befunden, setzen instand und dokumentieren so, dass Ihre nächste Inspektion daran anknüpft. Rückruftermin anfragen – wir melden uns.

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Tobias Schott, Geschäftsführer der Omega Mounting GmbH, auf einer Baustelle vor einem Gerüst

Über den Autor

Tobias Schott

Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung

Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Wissenswertes-Beiträge erklären das Gerät und die Technik, mit der sein Team täglich arbeitet: Was auf unseren Baustellen zählt, steht drin – was nur im Prospekt steht, nicht.