Lockout Tagout in der Instandhaltung: Freischalten, Sichern, Erlaubnisschein

Von Tobias Schott  ·  Lesezeit ca. 24 Minuten  ·  Stand: Oktober 2026

Fertig montierter Not-Aus-Taster an der Paket-Sortieranlage
Ein Not-Aus-Taster stoppt die Anlage im Notfall – für Instandhaltungsarbeiten reicht das nicht, dafür wird freigeschaltet und gegen Wiedereinschalten gesichert.

Lockout/Tagout ist auf Deutsch das Freischalten und Sichern gegen Wiedereinschalten – mit Schloss, Anhänger und Erlaubnisschein, für alle Energien einer Anlage, für jede Person, die daran arbeitet.

Die gefährlichsten Minuten einer Instandhaltung sind nicht die, in denen geschraubt oder geschweißt wird, sondern die, in denen jemand glaubt, die Anlage sei aus – und sie ist es nicht. Ein Kollege drückt den Starttaster, weil die Produktion drängt. Ein Hydraulikspeicher steht noch unter Druck. Ein Lüfter läuft nach. Eine angehobene Last sackt ab, sobald das Ventil geöffnet wird. Unfälle in der Instandhaltung entstehen in genau diesen Momenten, sie treffen oft Fremdfirmen, die die Anlage nicht kennen – und genau dagegen richtet sich Lockout Tagout in der Instandhaltung.

Lockout Tagout in der Instandhaltung – international LOTO genannt – ist das Verfahren, das diese Momente ausschließt: Energiequellen trennen, Trennstellen mit persönlichem Schloss verriegeln, kennzeichnen, Energiefreiheit prüfen, und erst wieder einschalten, wenn jede beteiligte Person ihr Schloss entfernt hat. Im deutschen Arbeitsschutz ist das seit Langem in den fünf Sicherheitsregeln, der Betriebssicherheitsverordnung und weiteren Vorschriften angelegt – nur heißt es dort anders.

Dieser Ratgeber übersetzt Lockout/Tagout in die deutsche Praxis: welche Rechtsgrundlagen gelten, welche Energien abgebaut werden müssen, wie Schlüsselverwaltung und Mehr-Personen-Verriegelung funktionieren, was in einem Erlaubnisschein steht, wie Fremdfirmen eingebunden werden und wie die Anlage am Ende sauber freigemeldet wird. Er vertieft den Grundlagen-Ratgeber zur Wartung im laufenden Betrieb und zur Planung von Stillstandsfenstern um den Teil, der über Leben und Gesundheit entscheidet.

Das Wichtigste in Kürze

Was bedeutet Lockout/Tagout in der Instandhaltung – und wie heißt es auf Deutsch?

Lockout/Tagout (LOTO) ist ein Verfahren, bei dem alle Energiequellen einer Anlage vor Instandhaltungsarbeiten getrennt, die Trennstellen mit persönlichen Schlössern gegen Wiedereinschalten verriegelt (Lockout) und mit Anhängern gekennzeichnet werden (Tagout), bis jede beteiligte Person ihre Arbeit beendet und ihr Schloss entfernt hat. Der Begriff stammt aus dem angelsächsischen Arbeitsschutz und ist auf international geführten Baustellen im Rhein-Main-Gebiet die übliche Bezeichnung.

Die deutsche Entsprechung

Im deutschen Regelwerk heißt dasselbe „Freischalten und gegen Wiedereinschalten sichern“. Für elektrische Anlagen beschreiben die fünf Sicherheitsregeln der DIN VDE 0105-100 den Ablauf: freischalten, gegen Wiedereinschalten sichern, Spannungsfreiheit feststellen, erden und kurzschließen, benachbarte unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken. Die DGUV Vorschrift 3 „Elektrische Anlagen und Betriebsmittel“ verlangt, dass an elektrischen Anlagen grundsätzlich im spannungsfreien Zustand gearbeitet wird und dass dieser Zustand für die Dauer der Arbeiten sichergestellt ist. Für alle anderen Energien gelten die Betriebssicherheitsverordnung und die Technische Regel für Betriebssicherheit TRBS 1112 (Instandhaltung) – im Folgenden kurz „die Instandhaltungsregel“ –, die verlangen, dass Arbeitsmittel vor Instandhaltungsarbeiten so gesichert werden, dass keine Gefährdung durch unerwartetes Anlaufen, gespeicherte Energien oder Bewegungen entsteht. Die Instandhaltungsregel nennt dafür ausdrücklich „Systeme für die Freigabe bestimmter Arbeiten“ und „personalisierte Blockier- und Verriegelungssysteme“ – also Erlaubnisschein und persönliches Schloss. Für Sie heißt das: Wer Lockout/Tagout verlangt, verlangt nichts Fremdes, sondern das, was das deutsche Regelwerk ohnehin vorsieht. Die DGUV Information 209-015 „Instandhaltung – sicher und praxisgerecht durchführen“ fasst das für die betriebliche Praxis zusammen.

Lockout, Tagout und was dazwischen fehlt

Lockout ist die physische Verriegelung: ein Schloss am Hauptschalter, Ventil oder Steckverbinder, das nur der Inhaber des Schlüssels entfernen kann. Tagout ist die Kennzeichnung: ein Anhänger mit Name, Firma, Tätigkeit und Datum. Tagout allein – ein Zettel am Schalter – ist keine Sicherung; wo ein Schloss technisch nicht möglich ist, braucht es eine gleichwertige Maßnahme (dazu unten mehr).

Warum ein Not-Aus kein Freischalten ist

Ein Not-Aus-Taster unterbricht die Steuerung und bringt die Anlage in einen sicheren Halt – das ist seine Aufgabe im Notfall. Er trennt die Anlage aber nicht von der Energieversorgung, ist nicht abschließbar und kann von jedem entriegelt werden. Dasselbe gilt für Betriebsart-Wahlschalter, Schutztürschalter und „Anlage im Handbetrieb“: alles Steuerung, keine Freischaltung.

Welche Rechtsgrundlagen gelten für Freischalten und Sichern in Deutschland?

Für Instandhaltungsarbeiten in Deutschland gelten § 10 der Betriebssicherheitsverordnung mit der TRBS 1112, die DGUV Vorschrift 3 mit den fünf Sicherheitsregeln, die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz und – bei mehreren Unternehmen auf einer Anlage – die Koordinationspflichten aus § 8 Arbeitsschutzgesetz und § 6 DGUV Vorschrift 1. Keine dieser Vorschriften verwendet den Begriff Lockout/Tagout, alle verlangen in der Sache genau das.

Was der Betreiber muss

Der Betreiber der Anlage muss in seiner Gefährdungsbeurteilung festlegen, wie die Anlage für Instandhaltungsarbeiten sicher gemacht wird: welche Trennstellen es gibt, welche Energien gespeichert sind, wie sie abgebaut werden, wer freischalten darf und wie die Freigabe dokumentiert wird. Das Ergebnis sind Betriebsanweisungen und – für komplexe Anlagen – Freischaltanweisungen, die Trennstelle für Trennstelle beschreiben. Nach § 10 BetrSichV dürfen Instandhaltungsarbeiten nur von fachkundigen, beauftragten Beschäftigten durchgeführt werden.

Was die Elektrofachkraft muss

Arbeiten an elektrischen Anlagen dürfen nur Elektrofachkräfte oder unter deren Leitung und Aufsicht elektrotechnisch unterwiesene Personen ausführen. In der Praxis schaltet oft der Betriebselektriker des Betreibers frei und der Montagebetrieb hängt sein Schloss an; bei Arbeiten an der Elektrik selbst stellt der Montagebetrieb eigene Elektrofachkräfte.

Was bei mehreren Unternehmen gilt

Sobald eine Fremdfirma an einer Anlage arbeitet, verpflichtet § 8 Arbeitsschutzgesetz beide Arbeitgeber zur Zusammenarbeit, und § 6 DGUV Vorschrift 1 verlangt bei gegenseitiger Gefährdung einen Koordinator, der die Arbeiten abstimmt. Was ein Auftraggeber dafür von uns bekommt, beschreibt unser Ratgeber zu RAMS und Gefährdungsbeurteilung für Montagearbeiten.

Welche gespeicherten Energien müssen vor der Arbeit abgebaut werden?

Übersicht: Lockout Tagout Instandhaltung – gespeicherte Energien einer Anlage mit Ort, Maßnahme vor der Arbeit und Prüfung der Energiefreiheit
Strom ist nur eine von vielen Energien – jede braucht eine eigene Trennstelle oder Sicherung, bevor gearbeitet wird. Grafik: Omega Mounting

Vor der Arbeit müssen alle Energien abgebaut oder gesichert werden, die eine Anlage auch nach dem Trennen vom Netz noch bewegen können: Druckluft in Leitungen und Behältern, Druck in Hydraulikspeichern und Zylindern, gespannte Federn, Gegengewichte und angehobene Lasten, nachlaufende drehende Massen, heiße oder kalte Medien, Kondensatoren und Batterien. Strom ist die offensichtlichste Energie – und selten die, die bei Instandhaltungsunfällen den Ausschlag gibt.

Pneumatik und Hydraulik

Druckluftsysteme speichern Energie in Behältern und Leitungen; nach dem Schließen des Hauptventils steht der Druck noch an. Deshalb: Hauptventil schließen und verriegeln, System über ein Entlüftungsventil drucklos machen, Druckanzeige kontrollieren. Hydrauliksysteme haben Speicher, die auch bei stehender Pumpe hohen Druck halten, und Zylinder, die unter Last stehen – ein Ventil, das in der falschen Reihenfolge geöffnet wird, lässt eine Last fallen oder einen Zylinder ausfahren. Hydraulikspeicher werden nach Herstellervorgabe entspannt, Lasten mechanisch abgestützt, bevor Leitungen gelöst werden.

Mechanische Energie: Federn, Gegengewichte, Höhenlage

Tore, Hebevorrichtungen und Spannsysteme arbeiten mit Federn oder Gegengewichten; ein gelöster Bolzen gibt die gespeicherte Kraft schlagartig frei. Angehobene Lasten – ein Kranhaken mit Last, eine Hubplattform, ein Lüfterrad auf einem Motor, der aus seiner Lagerung genommen wird – stürzen, sobald die Halterung weg ist. Die Maßnahme ist immer dieselbe: in die energiearme Lage bringen (absenken, entspannen) oder mechanisch sichern (Abstützung, Bolzen, Sicherungsstift), bevor gelöst wird.

Nachlauf, Wärme, Chemie

Lüfter, Schwungräder, Zentrifugen und Förderbänder laufen nach dem Abschalten nach. Heiße Oberflächen, Dampf und Thermoöl brauchen Abkühlzeit; Kältemittel, Reinigungsmittel und Prozessgase ein Fachgewerk, das die Leitung entleert und spült. Diese Wartezeiten gehören in den Zeitplan des Stillstandsfensters.

Rückspannung aus USV und Notstrom

Eine elektrische Anlage kann vom Netz getrennt und trotzdem unter Spannung stehen – durch Rückspannung aus einer unterbrechungsfreien Stromversorgung (USV), einem Notstromaggregat oder einer Photovoltaikanlage. Die Instandhaltungsregel führt diesen Fall in ihrem Anhang ausdrücklich auf und verweist auf die fünf Sicherheitsregeln: Spannungsfreiheit wird gemessen, nicht angenommen. Für Sie heißt das: In Rechenzentren, Krankenhäusern und Werken mit Netzersatzanlage gehört jede Einspeisung auf die Energiequellen-Liste – auch die, die nur im Störfall liefert.

Die Energiequellen-Liste

Für jede Anlage erstellen wir vor der Freischaltung eine Liste der Energiequellen mit Trennstelle und Maßnahme – die Grundlage für den Erlaubnisschein. Bei einer Anlage, die wir zum ersten Mal sehen, geht das nur gemeinsam mit dem Betreiber: Er kennt die Speicher, die nicht auf dem Schaltplan stehen, und die Nebenantriebe aus dem anderen Schaltschrank.

Wie läuft das Freischalten Schritt für Schritt ab?

Erklärgrafik: Lockout Tagout Instandhaltung – Freischalten in sieben Schritten von der Energiequellen-Liste bis zur Prüfung der Energiefreiheit
Erst nach dem Einschaltversuch beginnt die Arbeit – und die Freimeldung läuft später in umgekehrter Reihenfolge. Grafik: Omega Mounting

Das Freischalten läuft in sieben Schritten ab: Vorbereitung mit Energiequellen-Liste, Information der betroffenen Beschäftigten, geordnetes Abschalten der Anlage, Trennen aller Energiequellen an den Trennstellen, Verriegeln und Kennzeichnen jeder Trennstelle, Abbau gespeicherter Energien und Prüfung der Energiefreiheit durch Einschaltversuch und Messung. Erst nach dem letzten Schritt beginnt die Arbeit.

SchrittWas passiertWer
1 VorbereitenEnergiequellen, Trennstellen, Maßnahmen und Zusatzgefährdungen festlegen; Erlaubnisschein ausfüllenAnlagenverantwortlicher und Ausführender
2 InformierenBediener, Schichtleitung, Leitwarte und Nachbarbereiche über Abschaltung und Dauer informierenAnlagenverantwortlicher
3 AbschaltenAnlage über die normale Bedienung geordnet herunterfahrenBediener
4 TrennenHauptschalter, Ventile, Steckverbinder an allen Trennstellen betätigenElektrofachkraft, Anlagenverantwortlicher
5 Verriegeln und kennzeichnenPersönliches Schloss und Anhänger an jede Trennstelle; bei mehreren Personen Mehrfachschlossbügeljede ausführende Person
6 Energien abbauenDruck ablassen, Speicher entspannen, Lasten abstützen, Nachlauf abwartenAusführender nach Vorgabe
7 PrüfenEinschaltversuch an der Bedienung, Spannungsfreiheit messen, Druckanzeigen kontrollieren, BewegungsversuchElektrofachkraft, Ausführender

Der Einschaltversuch

Der wichtigste und am häufigsten übersprungene Schritt ist die Prüfung: Nach dem Verriegeln wird an der Bedienung versucht, die Anlage zu starten. Läuft nichts an, ist die Trennung wirksam. Danach wird die Bedienung wieder in Aus-Stellung gebracht, damit die Anlage beim späteren Entriegeln nicht unerwartet anläuft. Bei elektrischen Arbeiten kommt die Messung der Spannungsfreiheit mit einem geeigneten Prüfgerät dazu – an allen Leitern, nicht nur an einem.

Trennstellen weit weg vom Arbeitsplatz

In vielen Bestandsanlagen liegt der Hauptschalter in einem Schaltraum, der Arbeitsplatz weit entfernt in der Halle. Dann braucht die Trennstelle Schloss und Anhänger und der Arbeitsplatz eine Kennzeichnung, dass die Anlage freigeschaltet ist. Bei Anlagen mit vielen Antrieben – einer Sortieranlage, einer Elektrohängebahn mit vielen Weichen – ist die Zuordnung Antrieb zu Trennstelle die eigentliche Planungsarbeit.

Arbeitsstrom getrennt von der freigeschalteten Anlage

Werkzeug, Arbeitsbeleuchtung und Absaugung werden nie aus der Anlage versorgt, die gerade freigeschaltet wird – sonst entsteht die Versuchung, „nur für die Lampe“ wieder zuzuschalten. Der BG BAU/BAuA-Baustein „Baustelleneinrichtung – Medienversorgung“ schließt die unmittelbare Stromversorgung einer Montagestelle über bestehende ortsfeste Anlagen aus und verweist auf besondere Speisepunkte: einen Baustromverteiler oder, an einer vorhandenen Steckdose, einen Personenschutzschalter PRCD-S. Als Richtwert nennt die Quelle eine Prüfung der Betriebsmittel alle sechs Monate und eine arbeitstägliche Prüfung des Fehlerstromschutzschalters.

Wie funktioniert die Schlüsselverwaltung bei mehreren Personen und Fremdfirmen?

Erklärgrafik: Lockout Tagout Instandhaltung – Schlüsselverwaltung mit persönlichem Schloss, Mehrfachschlossbügel, Gruppenschlosskasten und dem Verfahren für Schichtübergabe und vergessene Schlösser
Jede Person hängt ihr eigenes Schloss an – ob am Mehrfachschlossbügel oder am Gruppenschlosskasten. Erst wenn das letzte Schloss weg ist, lässt sich die Anlage wieder einschalten. Grafik: Omega Mounting

Bei mehreren Personen hängt jede ausführende Person ihr eigenes Schloss an die Trennstelle – über einen Mehrfachschlossbügel oder einen Gruppenschlosskasten. Niemand darf das Schloss eines anderen entfernen, und die Anlage lässt sich erst wieder einschalten, wenn das letzte Schloss weg ist.

Persönliches Schloss, ein Schlüssel

Das persönliche Schloss hat genau einen Schlüssel, den der Inhaber bei sich trägt; es ist ihm und seiner Firma zugeordnet und wird für nichts anderes benutzt. Firmenschlösser mit mehreren Schlüsseln oder Generalschlüssel widersprechen dem Prinzip, denn dann kann jemand anders entriegeln, während der Inhaber noch in der Anlage ist.

Mehrfachschlossbügel und Gruppenschlosskasten

Der Mehrfachschlossbügel wird am Hauptschalter eingehängt und nimmt mehrere Schlösser auf. Bei Anlagen mit vielen Trennstellen verriegelt eine beauftragte Person alle Trennstellen mit Anlagenschlössern, legt deren Schlüssel in einen Gruppenschlosskasten, und jede ausführende Person verschließt den Kasten mit ihrem persönlichen Schloss. Das Ergebnis ist dasselbe: Kein Schlüssel ist erreichbar, bis alle fertig sind.

Schichtübergabe und vergessene Schlösser

Bei Wochenendfenstern mit mehreren Schichten wechseln die Personen, die Anlage bleibt freigeschaltet: Die kommende Person hängt ihr Schloss an, bevor die gehende ihres entfernt. Ein Schloss, dessen Inhaber nicht auffindbar ist, wird nur nach festgelegtem Verfahren entfernt – Nachweis, dass die Person die Anlage verlassen hat, Freigabe durch den Anlagenverantwortlichen, Dokumentation. Wer das vorher regelt, muss am Montagmorgen nicht mit dem Bolzenschneider entscheiden.

Fremdfirmen im Verfahren

Als Montagebetrieb bringen wir persönliche Schlösser, Anhänger, Mehrfachschlossbügel und Ventilblockierungen mit und hängen unser Schloss grundsätzlich selbst an – auch wenn der Betreiber bereits freigeschaltet hat. „Ist schon aus“ ist eine Information, keine Sicherung. Dazu kommt die Unterweisung: Die TRBS 1116 (Qualifikation, Unterweisung und Beauftragung) wertet eine neue Anlage oder Arbeitsumgebung wie eine erstmalige Verwendung – für Sie heißt das, dass Ihr Anlagenverantwortlicher die Fremdfirma vor dem ersten Fenster in Trennstellen, Speicher und Besonderheiten der Anlage einweist. Umgekehrt akzeptieren wir die Betriebsregeln des Auftraggebers, wenn sie strenger sind als unser Standard, etwa ein eigenes Schlosssystem oder einen zentralen Erlaubnisschein-Koordinator. Welche Nachweise ein Auftraggeber von einem Montagebetrieb dafür verlangen darf, beschreibt unser Ratgeber zu den Nachweisen für Nachunternehmer bei Montagearbeiten.

Was steht in einem Erlaubnisschein für Instandhaltungsarbeiten?

Erklärgrafik: Lockout Tagout Instandhaltung – Checkliste der Inhalte eines Erlaubnisscheins mit Anlage und Arbeit, Energiequellen-Liste, Gefährdungen und Personen sowie Unterschriften und Rückgabeteil
Der Erlaubnisschein macht sichtbar, was freigeschaltet wurde, wer verantwortlich ist und wann die Anlage zurückgegeben wird – in vier Blöcken. Grafik: Omega Mounting

Ein Erlaubnisschein für Instandhaltungsarbeiten – international Permit to Work – dokumentiert, an welcher Anlage welche Arbeit in welchem Zeitraum ausgeführt wird, welche Energiequellen an welchen Trennstellen freigeschaltet und mit welchen Schlössern gesichert sind, wie die Energiefreiheit geprüft wurde, welche Zusatzgefährdungen und Schutzmaßnahmen gelten und wer als Anlagenverantwortlicher die Anlage übergibt und als Ausführender übernimmt. Am Ende steht der Rückgabeteil mit Freimeldung.

Die Bestandteile

Ein Schein oder mehrere?

Für Heißarbeiten gilt ein eigener Erlaubnisschein mit Brandschutzmaßnahmen und Brandwache – unser Ratgeber zum Reparaturschweißen an Industrieanlagen beschreibt ihn. Der Erlaubnisschein für die Instandhaltung ist der Rahmen, der solche Zusatzscheine referenziert, damit am Ende ein Dokument sagt, was an dieser Anlage in diesem Fenster passiert.

Was der Erlaubnisschein nicht ist

Ein Erlaubnisschein ist kein Ersatz für Gefährdungsbeurteilung, Betriebsanweisung und Unterweisung, sondern deren Anwendung auf einen konkreten Tag. Ein Schein, der am Montag für die ganze Woche unterschrieben wird, sichert niemanden.

Wie wird die Anlage nach der Arbeit freigemeldet und wieder in Betrieb genommen?

Die Freimeldung läuft in umgekehrter Reihenfolge zur Freischaltung: Arbeiten abschließen und Arbeitsbereich kontrollieren, Werkzeug und Material entfernen, Schutzeinrichtungen und Verkleidungen montieren, alle Personen aus der Anlage, Bediener informieren, Schlösser und Anhänger entfernen, Energien geordnet zuschalten, Probelauf unter Beobachtung, Übergabe mit Unterschrift. Jeder Schritt wird im Rückgabeteil des Erlaubnisscheins abgehakt.

Kontrolle vor dem Zuschalten

Vor dem Entfernen des letzten Schlosses wird die Anlage begangen: Liegt noch Werkzeug auf einer Schiene, steckt ein Sicherungsstift, ist eine Abdeckung offen, hängt eine Abstützung unter einer Last? Dazu gehört die Kontrolle, dass alle Personen die Anlage verlassen haben – bei weitläufigen Anlagen wie einer Elektrohängebahn ein eigener Punkt mit Anwesenheitsliste.

Probelauf und Lastlauf

Wurde an der elektrischen Ausrüstung gearbeitet, prüft die Elektrofachkraft vor dem Zuschalten – die Unfallverhütungsvorschrift für elektrische Anlagen schreibt Prüfungen nicht nur vor der ersten Inbetriebnahme vor, sondern auch vor der Wiederinbetriebnahme nach Änderungen oder Instandsetzungen. Nach dem Zuschalten folgt ein Probelauf ohne Last unter Beobachtung der Arbeitsstelle: Drehrichtung, Endlagen, Not-Aus, Geräusche und Vibrationen. Danach der Lastlauf oder die schrittweise Wiederinbetriebnahme mit Produktion. Bei Sicherheitseinrichtungen – etwa neu montierten Not-Aus-Tastern – wird die gesamte Sicherheitskette geprüft, nicht nur die neue Einheit.

Dokumentation

Erlaubnisschein mit Rückgabeteil, Montageprotokoll, Fotos und Prüfnachweise gehen an den Betreiber – als Nachweis gegenüber Aufsicht und Versicherer und als Energiequellen-Liste für den nächsten Einsatz. Wie Freimeldung und Dokumentation bei Fördertechnik eingebettet sind, zeigt unser Ratgeber zur Instandhaltung von Fördertechnik.

Welche typischen Fehler passieren bei Lockout/Tagout in der Instandhaltung – und wie vermeiden Sie sie?

Die typischen Fehler beim Freischalten sind: Not-Aus statt Trennung, vergessene Nebenantriebe und Speicher, Firmenschloss statt persönlichem Schloss, fehlende Prüfung nach dem Verriegeln, Erlaubnisschein als Wochenpauschale und Entriegeln durch Dritte unter Produktionsdruck. Jeder dieser Fehler ist organisatorisch vermeidbar – mit Energiequellen-Liste, persönlichem Schlosssystem, Einschaltversuch und einem Anlagenverantwortlichen, der die Stopp-Befugnis hat und sie nutzt.

Produktionsdruck

Ein zu knapp geplantes Stillstandsfenster verführt dazu, den Nachlauf nicht abzuwarten, den Einschaltversuch wegzulassen oder einen Antrieb „kurz“ ohne Schloss zu bewegen. Deshalb gehört die Freischaltzeit – Druckabbau, Abkühlung, Prüfung, Freimeldung – in die Planung des Fensters, nicht in den Puffer.

Anlagen ohne abschließbare Trennstellen

Ältere Anlagen haben Hauptschalter ohne Verriegelungsmöglichkeit, Ventile ohne Blockierung, Steckverbinder in Schaltschränken. Dafür gibt es nachrüstbare Schalterblockierungen, Ventilhauben und Steckersperren – und, wo nichts hilft, das Abziehen und Verwahren von Sicherungen durch die Elektrofachkraft mit Kennzeichnung am Einbauort. Eine Anlage, die nicht freischaltbar ist, ist ein Befund für die Gefährdungsbeurteilung und ein Fall für die Nachrüstung.

Was gehört zur Notfallorganisation im Stillstandsfenster?

Zur Notfallorganisation im Stillstandsfenster gehören ein Alarmplan mit Notrufnummern und Anschrift der Arbeitsstelle, eine funktionierende Meldeeinrichtung, Ersthelfer und Verbandkasten im Team, ein Lotse für den Rettungsdienst am Tor und ein Rettungskonzept für schwer zugängliche Arbeitsplätze. Im Wochenendfenster sind Werkfeuerwehr, Betriebssanitäter und Pförtner oft nicht besetzt – das Montageteam ist allein in der Halle.

Alarmplan und Meldeweg

Der BG BAU/BAuA-Baustein „Baustelleneinrichtung – Notfälle und Rettungsmaßnahmen“ verlangt, dass Anschrift und Telefonnummer der Rettungsdienste an deutlich gekennzeichneter Stelle aushängen und bei nicht sichergestelltem Mobilfunkempfang zusätzliche Meldeeinrichtungen über Festnetz oder Funk vorgesehen werden. Wir klären deshalb vor dem Fenster, von wo der Notruf abgesetzt wird, welche Tor-Nummer dem Rettungsdienst genannt wird und wer ihn am Tor empfängt. Bei einem Stromunfall muss klar sein, wer freischaltet, bevor jemand den Verletzten berührt – das Freischaltverfahren hat die Trennstellen dafür bereits benannt.

Ersthelfer, Material, Rettung aus der Anlage

Als Vorgabe der Quelle gilt: Bei bis zu 20 Beschäftigten muss mindestens ein Ersthelfer anwesend sein, ab 21 zwei, dazu Verbandkasten und Verbandbuch, ab 21 auch eine Krankentrage. Für ein Montageteam heißt das: je Schicht ein Ersthelfer, Verbandkasten am Arbeitsplatz statt im Fahrzeug. Bei Arbeiten in der Höhe gehört ein Rettungskonzept dazu, das vor dem Fenster mit dem Betreiber abgestimmt wird.

So läuft das bei uns im Rhein-Main-Gebiet

Im Rhein-Main-Gebiet arbeiten wir mit Freischaltverfahren in drei sehr unterschiedlichen Welten: in Produktionsbetrieben in Offenbach, Hanau, Rodgau und Darmstadt, deren Anlagen gewachsen sind und oft keine durchgängige Freischaltanweisung haben; in Logistik- und Sortieranlagen rund um den Frankfurter Flughafen, Dietzenbach und Raunheim mit vielen Antrieben, Schichtbetrieb und engen Zeitfenstern; und in Rechenzentren in Frankfurt und Umgebung, in denen das Erlaubnisschein-System des Betreibers die Baustellensprache prägt und Englisch mitläuft.

In Produktionsbetrieben beginnen wir mit der Energiequellen-Liste gemeinsam mit Betriebselektriker und Anlagenverantwortlichem – oft die erste schriftliche Freischaltanweisung für diese Anlage. In Rechenzentren übernehmen wir das Verfahren des Betreibers, bringen aber eigene Schlösser und eigene Prüfung mit – ein Erlaubnisschein mit unserem Namen wird von uns geprüft, nicht nur unterschrieben.

Anschluss der Adern im Not-Aus-Gehäuse an der Sortieranlage
Anschluss eines Not-Aus-Tasters an der freigeschalteten Sortieranlage – jede Einheit wird nach dem Anschluss in der Sicherheitskette geprüft.

So machen wir das in der Praxis

Not-Aus-Taster in einer Sortieranlage am Frankfurter Flughafen. Bei der Montage von Not-Aus-Tastern an einer Paket-Sortieranlage am Frankfurter Flughafen haben zwei Monteure in zwei Einsatztagen 32 Not-Aus-Taster und mehrere Sensoren in die bestehende Anlage integriert und die Sicherheitskette erweitert. Gearbeitet wurde tagsüber in abgestimmten Stillstandsfenstern – jede Einheit wurde an der freigeschalteten Anlage angeschlossen, und am Ende wurde die Funktion der gesamten Kette geprüft. Das Beispiel zeigt den Unterschied, auf dem dieser Ratgeber beruht: Der Not-Aus ist das Sicherheitsbauteil für den Betrieb; für die Montage selbst war Freischalten und Sichern nötig.

Lagertausch an einem Prozessluft-Lüfter in Offenbach. Beim Lagertausch an einem Lüfter einer Lackieranlage in Offenbach saß ein Lüfterrad von rund 1,40 Metern Durchmesser direkt auf dem Antriebsmotor, eingebaut zwischen engen Gassen aus Schaltschränken. Der Einsatz lief über zwei Arbeitstage: Am Vorbereitungstag wurde ein maßgefertigtes Schienensystem vor Ort geschweißt; im Wochenendstillstand wurde der Motor abgeklemmt, die Motor-Lüfter-Einheit auf den Schienen herausgefahren, mit einem Portalkran gehoben, das Lager getauscht, die Einheit zurückgeschoben, angeschlossen und per Funktionskontrolle übergeben. Hier kamen mehrere Energien zusammen: der elektrische Antrieb, der Nachlauf eines großen Lüfterrads, die Höhenlage einer tonnenschweren Einheit auf Schienen und Kran – jede musste vor dem nächsten Schritt gesichert sein.

Weichenwartung an einer Elektrohängebahn in Frankfurt. Bei der Wartung einer rund 30 Jahre alten Elektrohängebahn in einem Frankfurter Produktionsbetrieb wurden 100 Weichen in zwei Betriebsbereichen geprüft, priorisiert und schrittweise instand gesetzt – in Wochenendstillständen mit einem Fenster von 36 Stunden zwischen Produktionsende am Samstag und Wiederanlauf am Montag, mit vier Technikern je Wochenende, mobilen Arbeitsgerüsten, Leitern und zusätzlicher Arbeitsbeleuchtung. Für das Freischaltverfahren ist das der anspruchsvolle Fall: mehrere Personen gleichzeitig an verschiedenen Weichen einer weitläufigen Anlage, Arbeiten in der Höhe, Schleifleitung als Energiequelle und eine Schichtübergabe innerhalb des Fensters. Schlüsselverwaltung, Anwesenheitskontrolle vor dem Zuschalten und die Freimeldung am Sonntag sind hier der Kern der Organisation.

Steht bei Ihnen eine Instandsetzung im Stillstandsfenster an, oder fehlt Ihrer Anlage noch eine Freischaltanweisung? Dann sprechen Sie uns an – eine gemeinsame Begehung mit Ihrem Betriebselektriker ergibt meist in wenigen Stunden die Energiequellen-Liste, auf der alles Weitere aufbaut.

Was das für Ihre Rolle bedeutet

Für Einkäufer: Nehmen Sie das Freischaltverfahren in die Leistungsbeschreibung auf: Wer schaltet frei, wer stellt Schlösser und Erlaubnisschein, wie viel Zeit für Freischaltung und Freimeldung im Stillstandsfenster eingeplant ist. Verlangen Sie vom Montagebetrieb Gefährdungsbeurteilung, Qualifikationsnachweise der Elektrofachkräfte und ein beschriebenes Schlosssystem als Eignungsnachweis.

Für Planer: Planen Sie Anlagen freischaltbar: abschließbare Hauptschalter und Ventile nahe am Arbeitsplatz, eindeutige Zuordnung von Antrieben zu Trennstellen, Entlüftungs- und Entspannungsmöglichkeiten für Pneumatik und Hydraulik, mechanische Sicherungen für angehobene Lasten. Eine Energiequellen-Liste gehört in die Anlagendokumentation, die Sie dem Betreiber übergeben.

Für Projektleiter und Bauleiter: Legen Sie vor dem Stillstandsfenster fest, wer Anlagenverantwortlicher ist, wer den Erlaubnisschein ausstellt und wer die Stopp-Befugnis hat; der Bauleiter weist vor Ort ein, gibt die Anlage frei und nimmt sie zurück, der Projektleiter sorgt dafür, dass Freischaltzeit, Nachlauf und Freimeldung im Zeitplan stehen. Bei mehreren Gewerken benennen Sie den Koordinator schriftlich. Vor einem Wochenendfenster hängt der Bauleiter den Alarmplan mit Tor-Nummer aus.

Für Instandhaltungsleiter: Erstellen Sie für jede Anlage eine Freischaltanweisung mit Energiequellen-Liste und Trennstellen, führen Sie ein persönliches Schlosssystem ein und legen Sie das Verfahren für vergessene Schlösser und Schichtübergaben fest. Prüfen Sie Bestandsanlagen auf nicht verriegelbare Trennstellen und machen Sie den Einschaltversuch nach dem Verriegeln zur Gewohnheit – er findet den Nebenantrieb, der auf keinem Plan steht.

Für Sicherheitsfachkräfte und HSE-Koordinatoren: Übersetzen Sie Lockout/Tagout in die deutschen Begriffe und Vorschriften, damit nicht zwei Verfahren nebeneinander existieren. Prüfen Sie Erlaubnisscheine auf Vollständigkeit der Energiequellen – nicht nur Strom – und auf den Rückgabeteil. Unterweisen Sie Bediener darin, dass ein fremdes Schloss nie entfernt wird, und prüfen Sie, ob das Fremdfirmenteam Ersthelfer und Verbandkasten mitbringt.

Für Betriebs- und Werksleiter: Sie entscheiden, ob Produktionsdruck ein Argument gegen Freischaltzeit ist – und die Antwort muss nein sein. Geben Sie Ihren Anlagenverantwortlichen die Befugnis, eine Anlage gesperrt zu halten, bis die Freimeldung vollständig ist, und planen Sie Stillstandsfenster so, dass Freischaltung und Wiederanlauf darin Platz haben.

Erlaubnisschein-Vorlage „Instandhaltung": Vorlage zum Anfordern

Die Vorlage ist ein zweiseitiges Formular für Instandhaltungs- und Montagearbeiten: Seite eins mit Anlagenbezeichnung, Arbeitsbeschreibung, Gültigkeitszeitraum, Energiequellen-Liste mit Trennstelle, Maßnahme, Schlossnummer und Prüfergebnis, Zusatzgefährdungen, beteiligten Personen und Unterschriften; Seite zwei mit dem Rückgabeteil für Kontrolle des Arbeitsbereichs, Schutzeinrichtungen, Entfernen der Schlösser, Probelauf und Übergabe. Sie hilft Instandhaltungsleitern als Grundlage eines eigenen Verfahrens, Bauleitern als Freigabedokument und Sicherheitsfachkräften als Prüfraster für die Scheine ihrer Fremdfirmen. Fordern Sie die Vorlage über unser Kontaktformular an – Stichwort „Erlaubnisschein Instandhaltung“.

Warum Omega Mounting?

Wir warten und instandsetzen von Rodgau bei Frankfurt aus Fördertechnik, Krananlagen, Lüfter, Antriebe und Sicherheitseinrichtungen in Produktionsbetrieben, Logistikzentren, Flughafenanlagen und Rechenzentren im Rhein-Main-Gebiet – fast immer im Stillstandsfenster, fast immer an Anlagen, die uns nicht gehören. Deshalb bringen wir unser Freischaltverfahren mit: persönliche Schlösser, Mehrfachschlossbügel, Ventilblockierungen, Prüfgeräte, Elektrofachkräfte und eine Gefährdungsbeurteilung, die Energiequellen benennt. Die verlinkten Einsätze zeigen, wie das aussieht. Über unsere 24-Stunden-Hotline erreichen Sie uns auch, wenn ein Störfall am Wochenende eine Instandsetzung erzwingt. Mehr dazu auf unserer Leistungsseite Wartung und Instandhaltung für Industrieanlagen. Für Sie heißt das: ein Montagepartner, der das Freischaltverfahren nicht erst lernen muss, kurze Wege im Rhein-Main-Gebiet und eine Freimeldung, die dokumentiert ist – nehmen Sie Kontakt auf, wenn Sie das für Ihr nächstes Stillstandsfenster prüfen möchten.

Fazit

Lockout/Tagout in der Instandhaltung ist auf Deutsch Freischalten und Sichern gegen Wiedereinschalten – ein Verfahren, bei dem es weniger auf den Namen als auf die Vollständigkeit ankommt: alle Energien, alle Personen, jede Trennstelle mit Schloss, jede Freischaltung geprüft, jede Freimeldung dokumentiert. Not-Aus, Zettel und „ist schon aus“ sind keine Sicherung. Wer Energiequellen-Liste, persönliches Schlosssystem und Erlaubnisschein als festen Teil seines Stillstandsfensters plant, gewinnt die Sicherheit, dass die Anlage am Montag läuft und alle, die daran gearbeitet haben, nach Hause gehen. Wenn Sie Ihr Freischaltverfahren aufbauen, auf Fremdfirmen ausweiten oder eine Instandsetzung im Stillstandsfenster planen, schicken Sie uns Anlagentyp, Energiequellen und Ihr Zeitfenster – wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung, wie sich Freischaltung und Arbeit darin organisieren lassen.

Weiterlesen: Wie Freischaltung und Freigabe funktionieren, wenn nachts oder am Wochenende nur eine Person vor Ort ist, steht im Ratgeber Alleinarbeit in der Instandhaltung.

Sie planen Wartung, Einbringung oder Montage im Rhein-Main-Gebiet?

Erzählen Sie uns kurz, worum es geht – wir melden uns mit einer ehrlichen Einschätzung zurück.

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Tobias Schott, Geschäftsführer der Omega Mounting GmbH, auf einer Baustelle vor einem Gerüst

Über den Autor

Tobias Schott

Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung

Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Ratgeber hier schreibt er aus dieser Praxis: Was auf unseren Baustellen funktioniert, steht drin – was nur in der Norm steht, nicht.

Häufig gestellte Fragen

Lockout/Tagout heißt auf Deutsch Freischalten und Sichern gegen Wiedereinschalten: Lockout ist das Verriegeln der Trennstelle mit einem persönlichen Schloss, Tagout die Kennzeichnung mit einem Anhänger. Für elektrische Anlagen ist das Verfahren in den fünf Sicherheitsregeln der Elektrotechnik beschrieben, für alle anderen Energien in der Betriebssicherheitsverordnung und ihrer Technischen Regel zur Instandhaltung.

Nein. Ein Not-Aus stoppt die Anlage über die Steuerung, trennt sie aber nicht von der Energie, ist nicht abschließbar und kann von jedem entriegelt werden. Für Instandhaltungsarbeiten muss die Anlage an den Trennstellen freigeschaltet, verriegelt, gekennzeichnet und auf Energiefreiheit geprüft werden – und gespeicherte Energien müssen abgebaut sein.

Druckluft in Leitungen und Behältern, Druck in Hydraulikspeichern und Zylindern, gespannte Federn, Gegengewichte und angehobene Lasten, nachlaufende drehende Massen, heiße oder kalte Medien, Prozessgase und Kältemittel sowie Kondensatoren und Batterien. Jede dieser Energien braucht eine eigene Trennstelle oder Sicherung und steht in der Energiequellen-Liste der Anlage.

Elektrische Anlagen schaltet eine Elektrofachkraft frei oder eine elektrotechnisch unterwiesene Person unter deren Leitung und Aufsicht; sie stellt auch die Spannungsfreiheit fest. Für andere Energien legt der Betreiber in seiner Gefährdungsbeurteilung fest, wer freischalten darf – in der Regel der Anlagenverantwortliche oder beauftragte Instandhalter. Jede ausführende Person hängt unabhängig davon ihr eigenes Schloss an.

Nicht eigenmächtig. Ein fremdes Schloss wird nur nach einem festgelegten Verfahren entfernt: Nachweis, dass die Person die Anlage verlassen hat und nicht mehr daran arbeitet, Freigabe durch den Anlagenverantwortlichen, Dokumentation des Vorgangs und Information der Person. Dieses Verfahren gehört in die Freischaltanweisung des Betriebs, damit es im Ernstfall nicht improvisiert wird.

Die Gefährdungsbeurteilung beschreibt grundsätzlich, welche Gefährdungen eine Tätigkeit hat und welche Maßnahmen gelten; der Erlaubnisschein wendet das auf einen konkreten Tag, eine konkrete Anlage und konkrete Personen an und dokumentiert Freischaltung, Prüfung, Verantwortung und Rückgabe. Beide gehören zusammen – der Schein ohne Beurteilung ist leer, die Beurteilung ohne Schein bleibt Theorie.

Der Betreiber stellt die Anlage freigeschaltet und geprüft zur Verfügung, informiert über Restgefährdungen, benennt den Anlagenverantwortlichen und – bei mehreren Firmen – einen Koordinator, wie ihn die Unfallverhütungsvorschrift verlangt. Die Fremdfirma bringt ihr Verfahren, ihre persönlichen Schlösser und ihre Gefährdungsbeurteilung mit und hängt ihre Schlösser selbst an. Beides wird im Erlaubnisschein zusammengeführt und unterschrieben.

Maßgeblich sind § 10 der Betriebssicherheitsverordnung mit der TRBS 1112 (Instandhaltung) und der TRBS 1116 (Qualifikation, Unterweisung, Beauftragung), die DGUV Vorschrift 3 mit den fünf Sicherheitsregeln der DIN VDE 0105-100, die Gefährdungsbeurteilung nach § 5 Arbeitsschutzgesetz und die Koordinationspflichten nach § 8 Arbeitsschutzgesetz und § 6 DGUV Vorschrift 1. Die DGUV Information 209-015 fasst das praxisnah zusammen.

Schicken Sie uns über das Kontaktformular drei Angaben: Anlagentyp mit den bekannten Energiequellen, die Arbeit, die ansteht, und Ihr Stillstandsfenster. Wir melden uns, vereinbaren eine Begehung mit Ihrem Betriebselektriker und Anlagenverantwortlichen – von Rodgau aus in Frankfurt, Offenbach, Hanau oder Darmstadt kurzfristig – und Sie erhalten eine schriftliche Einschätzung mit Energiequellen-Liste, Freischaltzeit und Ablauf der Freimeldung. Ihr Ansprechpartner ist Tobias Schott; im Störfall am Wochenende erreichen Sie uns über die 24-Stunden-Hotline, und wir haben Freischaltmaterial im Fahrzeug.

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