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Der Säulenschwenkkran: Heben am Arbeitsplatz, ohne Hallenkran
Von Tobias Schott · Lesezeit ca. 7 Minuten · Stand: Oktober 2026
Ein Säulenschwenkkran bringt das Heben genau an den Arbeitsplatz, an dem es gebraucht wird – ohne Kranbahn und ohne Anschluss an das Gebäude, aber nur so sicher wie seine Verankerung im Boden.
Der Säulenschwenkkran steht dort, wo schwere Teile oft, aber nur über kurze Wege bewegt werden: neben der Werkbank, an der Werkzeugmaschine, am Montageplatz oder an der Prüfstation. Er hebt Werkstücke, Vorrichtungen und Baugruppen, die für Hände und Rücken zu schwer sind. Damit spart er den Weg zum nächsten Hallenkran – oder ersetzt ihn dort, wo es keinen gibt.
Für Planer und Instandhalter stellt sich meist dieselbe Frage: Trägt unser Boden das, und was braucht der Kran, bis er heben darf? Dieser Artikel erklärt Aufbau, Bauarten, die Rolle des Fundaments und die Prüfungen.
Was ist ein Säulenschwenkkran?
Ein Säulenschwenkkran ist ein ortsfester Kran, dessen Ausleger sich um eine frei stehende, im Boden verankerte Säule dreht und die Last mit einem Ketten- oder Seilzug innerhalb eines Kreises oder Kreisabschnitts hebt. Im Englischen heißt er „pillar jib crane“; „jib crane“ ist der Oberbegriff für den Schwenkkran.
Er gehört zu den Arbeitsplatzkranen: Er bedient einen Arbeitsplatz oder eine kleine Gruppe von Maschinen, nicht die ganze Halle. Sein Arbeitsfeld ist eine Kreisfläche, deren Radius der Ausleger vorgibt. Anders als der Wandschwenkkran braucht er keine Wand und keine Hallenstütze, anders als der Hallenkran keine Kranbahn.
Steckbrief
- Bauart: Schwenkkran auf frei stehender Säule mit Fußplatte; Ausleger auf dem Säulenkopf gelagert oder seitlich angelenkt und abgespannt.
- Typische Tragfähigkeit: Je nach Bauart von wenigen hundert Kilogramm bis in den Tonnenbereich; der zulässige Wert steht am Kran.
- Ausladung und Schwenkbereich: Ausladung typisch einige Meter; Schwenkbereich je nach Bauart begrenzt oder endlos, in der Regel bis zum vollen Kreis.
- Antrieb: Handkettenzug oder Elektrokettenzug, seltener Seilzug; Laufkatze und Schwenkbewegung von Hand oder motorisch.
- Einsatzfeld: Werkstatt, Maschinenbeschickung, Montage- und Prüfarbeitsplatz, Verladestelle.
- Voraussetzungen: Tragfähige Bodenplatte oder eigenes Fundament, freier Schwenkbereich, Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme.
- Bedienerqualifikation: Unterwiesene und vom Betreiber beauftragte Beschäftigte; Anschlagen nur nach Unterweisung.
Wie ist ein Säulenschwenkkran aufgebaut?
Ein Säulenschwenkkran besteht aus fünf Baugruppen: Fußplatte, Säule, Drehlagerung, Ausleger und Hebezeug mit Laufkatze. Die Fußplatte sitzt verankert auf dem Beton, die Säule steht senkrecht darauf und trägt oben die Lagerung, um die der Ausleger dreht.
- Fußplatte und Anker: Die Fußplatte verteilt die Kräfte der Säule auf den Boden. Verbundanker – Ankerstangen, die mit Mörtel im Bohrloch verklebt werden – halten sie fest.
- Säule: Ein Stahlrohr oder Stahlprofil, meist mit Knotenblechen zur Fußplatte ausgesteift. Sie muss lotrecht stehen.
- Drehlagerung und Schwenkwerk: Ein Lager oder Drehkranz am Säulenkopf. Beim motorischen Schwenk treibt ein Ritzel einen Zahnkranz an.
- Ausleger: Ein Träger, meist ein Walzprofil, auf dessen Unterflansch die Laufkatze fährt. Seine Bauart bestimmt mit, wie viel Hakenhöhe unter ihm bleibt.
- Laufkatze und Hebezeug: Die Laufkatze trägt den Ketten- oder Seilzug und fährt die Last auf dem Ausleger nach innen und außen.
Kleine Krane schwenkt der Bediener von Hand, indem er die Last führt. Größere Krane haben einen Schwenkantrieb, der den Ausleger kontrolliert anfährt und abbremst.
Das wichtigste Prinzip ist der Hebel. Das Kippmoment ist Last mal Abstand zur Säulenachse. Dieselbe Last wirkt am Auslegerende also deutlich stärker auf Säule und Fundament als nahe an der Säule.
Säule, Wand oder Hallenkran: Welche Bauart passt?
Die passende Bauart hängt davon ab, welche Fläche der Kran bedienen soll und wohin er seine Kräfte ableiten kann. Der Säulenschwenkkran passt zum festen Arbeitsplatz mitten in der Halle, der Wandschwenkkran zum Platz an Wand oder Stütze, der Hallenkran zur ganzen Fläche.
| Bauart | Stärke | Grenze | Platzbedarf | Fundament |
|---|---|---|---|---|
| Säulenschwenkkran | Frei aufstellbar, unabhängig vom Gebäude, Schwenkbereich bis zum vollen Kreis. | Reichweite endet mit dem Ausleger; die Säule steht im Arbeitsfeld. | Säule und Fußplatte am Boden, freier Kreis für den Ausleger. | Verankerung in tragfähiger Bodenplatte oder eigenes Einzelfundament. |
| Wandschwenkkran | Braucht keinen Platz am Boden, nutzt vorhandene Wand oder Stütze. | Schwenkbereich in der Regel ein Halbkreis; nur an der Wand möglich. | Nur die Konsole an Wand oder Stütze. | Wand oder Stütze muss das Moment aufnehmen; das prüft der Statiker. |
| Hallenkran (Brückenkran) | Bedient die ganze Hallenfläche und hebt deutlich höhere Lasten. | Braucht Kranbahn mit Stützen oder tragfähigen Hallenstahlbau. | Bauhöhe unter der Decke, der Boden bleibt frei. | Kranbahnstützen mit Fundament oder Konsolen am Hallenstahlbau. |
Oft ergänzen sich die Bauarten. Der Hallenkran bringt schwere Teile in den Hallenabschnitt, der Säulenschwenkkran bedient danach die einzelne Maschine. Wo weder Decke noch Wand eine Last aufnehmen, kommt ein Portalkran auf eigenen Stützen in Frage.
Warum entscheidet das Fundament über den Säulenschwenkkran?
Das Fundament entscheidet, weil der Säulenschwenkkran sein gesamtes Kippmoment über die Fußplatte in den Boden leitet – eine andere Abstützung hat er nicht. Last mal Ausladung erzeugt an der Säule ein Biegemoment. Es belastet die Anker auf der einen Seite der Fußplatte auf Zug und den Beton auf der anderen Seite auf Druck.
Daraus folgen drei Fragen, die vor dem ersten Bohrloch geklärt sein müssen:
- Trägt die Bodenplatte? Dicke, Betongüte und Bewehrung beurteilt der Tragwerksplaner. Reicht die Platte nicht, bekommt die Säule ein eigenes Einzelfundament.
- Was liegt im Boden? Leitungen, Fugen und Bodenkanäle dürfen nicht im Lochbild der Fußplatte liegen.
- Passt der Schwenkbereich? Mit dem Ausleger wird geprüft, ob er frei an Maschinen, Regalen und Verkehrswegen vorbeischwenkt.
Verankert wird meist mit Verbundankern. Das Lochbild wird gebohrt, jedes Bohrloch ausgeblasen und ausgebürstet, dann kommen Mörtel und Ankerstangen hinein. Erst nach der vollen Aushärtezeit darf angezogen und belastet werden. Wie Anker, Unterlegbleche und Nivellierung zusammenspielen, beschreibt unser Ratgeber Maschine ausrichten und verankern.
Danach muss die Säule lotrecht stehen. Steht sie schief, läuft der Ausleger von allein zur tiefsten Stelle – die Last schwenkt dann ohne Zutun des Bedieners. Das ist kein Schönheitsfehler, sondern ein Sicherheitsproblem.
Welche Prüfungen braucht ein Säulenschwenkkran?
Ein Säulenschwenkkran wird vor der ersten Inbetriebnahme, nach wesentlichen Änderungen und danach mindestens jährlich geprüft; Grundlage ist die DGUV Vorschrift 52 „Krane“. Die wiederkehrende Prüfung übernimmt ein Sachkundiger, auch zur Prüfung befähigte Person genannt. Für bestimmte Krane und Prüfanlässe verlangt die Kranvorschrift einen Sachverständigen.
Bei hoher Beanspruchung können kürzere Abstände nötig sein; sie legt der Betreiber in seiner Gefährdungsbeurteilung fest. Das ist keine Rechtsberatung – maßgeblich bleibt die Vorschrift selbst.
Zur ersten Prüfung gehören auch Montage und Verankerung: Sind die Anker angezogen, steht die Säule im Lot, bleibt der Ausleger in jeder Stellung stehen? Dazu kommen Funktion, Bremse, Haken mit Sicherung, Kette oder Seil und die Kennzeichnung der Tragfähigkeit. Befunde und Fristen stehen im Kranprüfbuch.
Wird ein Säulenschwenkkran versetzt, behandeln wir das wie eine neue Aufstellung. Boden klären, neu verankern, neu ausrichten und wieder prüfen lassen.
Worauf wir achten
Beim Säulenschwenkkran entscheidet sich die Sicherheit im Boden und im Lot, nicht am Haken. Darauf achten wir:
- Schwenkbereich vor dem Bohren: Wir prüfen den Schwenkbereich mit dem Ausleger, bevor das erste Loch gebohrt wird. Ein falsch gesetzter Fuß lässt sich nicht verschieben.
- Bodenplatte und Leitungen klären: Dicke und Aufbau der Bodenplatte sowie Leitungen im Boden klären wir vorher mit dem Betreiber. Ohne Aussage zur Tragfähigkeit bohren wir nicht.
- Sauberes Bohrloch, volle Aushärtezeit: Ausblasen und Ausbürsten sind Pflicht, sonst haftet der Mörtel nicht am Beton. Die Montage ist an einem Tag machbar, aber die Aushärtezeit bestimmt den Ablauf.
- Lot in zwei Richtungen: Wir richten die Säule mit zwei Wasserwaagen im 90-Grad-Versatz aus und holen den letzten Millimeter mit Unterlegblechen. Erst dann wird angezogen.
- Fertige Bereiche schützen: In laufenden Werkstätten decken wir Boden und Anlagen ab und saugen den Bohrstaub direkt an der Quelle ab.
- Klare Übergabe: Mechanik und Montage durch uns, elektrischer Anschluss durch eine Elektrofachkraft, danach die Prüfung vor der ersten Inbetriebnahme.
Wo wir das einsetzen
Säulenschwenkkrane montieren wir vor allem bei der Einrichtung von Werkstätten und Arbeitsplätzen. Bei einer Werkstatteinrichtung mit zwei Säulenschwenkkranen im kerntechnischen Bereich haben zwei Mechatroniker von uns in zwei Einsätzen von je einer Woche die Krane, Werkbänke, Stromverteilungen und eine Kantbank eingebaut. Ein Kran steht in der großen Werkstatt, der zweite in einem Testlabor; beide Säulen sitzen mit Verbundankern im fertigen Hallenboden. Der Zutritt setzte für jeden Monteur eine Zuverlässigkeitsüberprüfung voraus. Schwenkkrane, Kranbahnen und Konsolen montieren wir im Rhein-Main-Gebiet und darüber hinaus – mehr dazu unter Industriemontage für Kranbau.
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Über den Autor
Tobias Schott
Geschäftsführer Omega Mounting GmbH, Rodgau · über 20 Jahre Praxis in Montage und Instandhaltung
Gelernter Mechatroniker und seit 2004 in Wartung, Instandhaltung und Industriemontage zu Hause – zuerst an der Seite seines Vaters, seit 2012 mit Omega Mounting: von der Elektrohängebahn in Frankfurt bis zur Krananlage im Hallenneubau. Plant und leitet als Lifting Appointed Person Hebearbeiten in Rechenzentren und auf Industriebaustellen im Rhein-Main-Gebiet, ist Ausbilder und Prüfer für Krane, Hubarbeitsbühnen und Teleskopmaschinen sowie Sicherheitsbeauftragter. Bei Einsätzen im Ausland kennt man ihn als „German Troubleshooter“ – der, den man ruft, wenn es auf der Baustelle klemmt. Was Qualität heißt, hat er nicht aus einem Handbuch, sondern von seinem Vater gelernt: Made in Germany als Anspruch an die eigene Arbeit, nicht als Etikett. Deshalb steht sie bei Omega Mounting an erster Stelle – vor Tempo und vor Preis. Die Wissenswertes-Beiträge erklären das Gerät und die Technik, mit der sein Team täglich arbeitet: Was auf unseren Baustellen zählt, steht drin – was nur im Prospekt steht, nicht.